
Anti-Veiling Campaigns in Turkey: State, Society and Gender in the Early Republic
Die Verschleierung und Entschleierung von Frauen ist in der Türkei seit der spätosmanischen Zeit ein umstrittenes Thema. Mit dem Aufkommen lokaler Kampagnen gegen bestimmte Schleier in den 1930er Jahren wurde die Kleidung der Frauen jedoch zu einem Thema der nationalen Mobilisierung, bei dem die Geschlechternormen neu definiert wurden.
In dieser umfassenden Analyse der Anti-Schleier-Kampagnen in der Türkei der Zwischenkriegszeit beleuchtet Sevgi Adak den historischen Kontext, in dem sich die Bedeutungen von Verschleierung und Entschleierung in der Türkei herausgebildet haben. Indem sie den Fokus von der hohen Politik der Elite auf die Umsetzung der staatlichen Politik verlagert, verortet das Buch die Anti-Verschleierungskampagnen als einen Raum, in dem die kemalistischen Reformen von gesellschaftlichen Akteuren verhandelt, kompromittiert und bekämpft wurden.
Anhand von bisher unveröffentlichtem Archivmaterial zeigt Adak die Feinheiten des kemalistischen Modernisierungsprozesses auf und liefert eine nuancierte Lesart der in der frühen Republik etablierten Geschlechterordnung, indem sie die unterschiedlichen Reaktionen der Frauen auf die Anti-Verschleierungskampagnen untersucht. Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Literatur über die Sozialgeschichte der modernen Türkei und liefert eine komplexe Analyse dieser Kampagnen, die über eine einfache Unterscheidung zwischen Befreiung und Unterdrückung hinausgeht.