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Arendt, Kant, and the Enigma of Judgment
Eine nuancierte Extrapolation von Hannah Arendts Theorie des Urteils durch ihre höchst provokative Lektüre von Immanuel Kant
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Erstveröffentlichung steht Hannah Arendts Origins of Totalitarianism an der Spitze der Bestsellerlisten, während sich die Leser mit dem Triumph des Trumpismus auseinandersetzen. Arendt, Kant, and the Enigma of Judgment lenkt unsere Aufmerksamkeit auf ihre späteren Gedanken, die posthum veröffentlichten und höchst provokativen Vorlesungen über Kants politische Philosophie. Martin Blumenthal-Barby stellt dieses Werk in einen Dialog mit Arendts anderen Schriften, einschließlich ihrer Notizen zu Kants Kritik der Urteilskraft, um ihre eigene Theorie des Urteils für das zwanzigste Jahrhundert zu skizzieren. In einer Ära der Postwahrheiten und der künstlichen Intelligenz steht die Idee, dass authentisches Urteilsvermögen - zum Beispiel die Fähigkeit, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden - mit abstrakten, automatisierten Prozessen unvereinbar ist, im Zentrum von Arendts Spätwerk und im Vordergrund unserer kollektiven Überlegungen.
Blumenthal-Barby vertritt die Ansicht, dass Arendts Zeichnen und Neuzeichnen von begrifflichen Unterscheidungen selbst ein Akt des Urteils ist, ein Prozess, der ihre Aussagen auf Schritt und Tritt in Frage stellt und verkompliziert, anstatt uns eine feste Darstellung zu präsentieren. Auf diese Weise etabliert Arendt auf durch und durch kantische Weise das Urteil als eine performative Kategorie, die niemals gelehrt, sondern nur demonstriert werden kann. Dieses ebenso scharfe wie zeitgemäße Buch erinnert uns daran, warum eine gemeinsame Realität in einer Zeit intensiver politischer Polarisierung wichtig ist und warum das demokratische Projekt, so verletzlich es heute auch erscheinen mag, entscheidend von ihr abhängt.