Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 12 Stimmen.
Arming Against Hitler: France and the Limits of Military Planning
Im Mai-Juni 1940 zerschlugen die Deutschen die französische Armee und fügten ihr mehr als 300.000 französische Opfer zu, darunter mehr als 120.000 Tote. Während sich viele Historiker auf Frankreichs Versagen konzentriert haben, diese Katastrophe zu verhindern, ist Kiesling der erste, der zeigt, warum die Franzosen guten Grund hatten, darauf zu vertrauen, dass ihre Verteidigungspolitik, ihre Militärdoktrin und ihre Kampftruppen die Nation retten würden.
Kiesling argumentiert, dass Frankreichs verheerende Niederlage weder die Folge von Blindheit gegenüber der deutschen militärischen Bedrohung noch von Lähmung angesichts dieser Bedrohung war. Die französische Führung war sich der Notwendigkeit bewusst, sich auf einen weiteren Krieg mit dem Erzfeind vorzubereiten, und schuf Verteidigungsvorbereitungen und Militärdoktrinen, auf die sie sich verlassen konnte.
Kiesling konzentriert sich nicht einfach darauf, was schief gelaufen ist, sondern untersucht die grundlegende Logik der französischen Verteidigungsplanung in ihrem kulturellen, institutionellen, politischen und militärischen Kontext. Dabei liefert sie viel neues Material über das Innenleben des französischen Militärs, seine Beziehungen zur zivilen Führung, seine mangelnde Anpassungsfähigkeit und sein übermäßiges Vertrauen in eine schlecht organisierte, ausgebildete und geführte Armeereserve. Letztendlich liefert sie überzeugende Argumente für Frankreichs Verteidigungsoptionen und gibt eine nützliche Warnung über den Nutzen der "Lehren aus der Geschichte".
Die Lektion für heutige Politiker und Strategen, so Kiesling, besteht nicht darin, dass die Franzosen Fehler gemacht haben, sondern darin, dass Nationen und Armeen ihre Politik und Strategie unter strengen Zwängen entwickeln. Ihre Studie erinnert uns eindringlich daran, wie sehr uns der Blick im Nachhinein für die Komplexität der Vorbereitung auf den nächsten Krieg blind machen kann.