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Agitating Images: Photography Against History in Indigenous Siberia
Nach der sozialistischen Revolution begann in den 1920er und 30er Jahren im ehemaligen Russischen Reich ein kolossaler Wandel der Alltagsrealitäten. Mit dem sibirischen Norden konfrontiert, einem riesigen Gebiet, das von der Revolutionsregierung als kulturell und technologisch rückständig angesehen wurde, machten sich die Sowjets selbstbewusst daran, das Alltagsleben der indigenen Völker umzugestalten, um sie in den Sowjetstaat einzubinden. In Agitating Images zeichnet Craig Campbell ein reichhaltiges und beunruhigendes kulturelles Porträt der Begegnung zwischen den sibirischen Ureinwohnern und den russischen Kommunisten und zeigt, wie Fotografien aus dieser Zeit unser Verständnis dieser Geschichte verkomplizieren.
Agitating Images bietet einen Einblick in die ersten Momente der Kulturtechnik in abgelegenen Gebieten des sowjetischen Sibiriens. Diese Gebiete wurden von Außenstehenden als Randgebiete der Zivilisation wahrgenommen, in denen schamanische Rituale herrschten und die von Vertriebenen, Kriminellen und "primitiven" indigenen Völkern bewohnt wurden. Die Sowjets hofften, die mythologisierte Landschaft durch die Schaffung sozialistischer Utopien, mit denen die Minderheitenkulturen in den kommunistischen Staat integriert werden sollten, dauerhaft zu verändern. Dieses Buch taucht tief in die Fotoarchive dieser sowjetischen Programme ein, doch anstatt die Fotografien zur Ergänzung einer offiziellen Geschichte zu verwenden, präsentiert Campbell sie als Anti-Illustrationen oder Einmischungen, die einfache Erzählungen über sowjetische Bürokratie und Macht durchkreuzen. Diese Bilder sollen aufrütteln und Kritik üben, die sich nicht allein durch Texte erklären lässt, und stellen ihrerseits das Wesen von Fotografien als historische Artefakte in Frage.
Agitating Images ist ein innovativer Ansatz, um historische Interpretationen in Frage zu stellen, und zeigt, wie Fotografien den akzeptierten Prämissen über das sowjetische Sibirien widersprechen. Alle Fotografien, so argumentiert Campbell, kommunizieren auf einzigartige Weise, die dem Text, den sie illustrieren, neue und sogar konträre Möglichkeiten eröffnen. Letztlich stellt Agitating Images unser Verständnis der Produktion von historischem Wissen auf den Kopf.