Bewertung:

Das Buch bietet einen detaillierten und fesselnden Bericht über die Belagerung von Straßburg, aber der Autor fügt politisch korrekte soziale Theorien ein, die einige Leser für unnötig halten. Außerdem wünscht man sich mehr Informationen über die Erholung der Stadt nach der Belagerung.
Vorteile:Detaillierte und umfassende Schilderung; fesselnd geschrieben.
Nachteile:Die Einbeziehung politisch korrekter sozialer Theorien wird als unnötig empfunden; es fehlen Informationen über den Wiederaufbau der Stadt nach der Belagerung.
(basierend auf 1 Leserbewertungen)
Siege of Strasbourg
Als im Sommer 1870 der Krieg zwischen Frankreich und Preußen ausbrach, war Straßburg eines der ersten Ziele der einmarschierenden deutschen Armeen. Vom 15. August bis zum 27. September bombardierten die preußischen Truppen die Grenzstadt, töteten Hunderte von Einwohnern, verwundeten Tausende und zerstörten zahlreiche historische Gebäude und Wahrzeichen. Sechs schreckliche Wochen lang wurde "die Stadt am Scheideweg" zum Epizentrum einer neuen Art der Kriegsführung, deren wahllose Gewalt die Zeitgenossen schockierte und zu Debatten über den Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten führte.
Die Belagerung von Straßburg macht die vergessene Geschichte dieser Krise und die Erfahrungen der Zivilisten, die sie überlebten, wieder zugänglich. Rachel Chrastil zeigt, dass die Belagerung viele Merkmale des "totalen Krieges" aufwies, der gewöhnlich als Phänomen des 20. Jahrhunderts angesehen wird. Die Deutschen setzten eine moderne Taktik ein, die die Stadtbewohner traumatisierte: Sie beschossen gezielt nichtmilitärische Ziele. Eine unbeabsichtigte Folge war jedoch, dass Außenstehende zum Handeln veranlasst wurden. Das Eingreifen der Schweizer zugunsten der belagerten Straßburger Bürger war ein entscheidender Moment: das erste Beispiel internationaler humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung in Kriegszeiten.
Chrastil verwebt in ihrer Erzählung Berichte aus erster Hand über Leid und Widerstandskraft und untersucht die unzähligen ethischen Fragen, die damit zusammenhängen, was im Krieg "legal" ist und welche Rechte Zivilisten haben, die in einem Kriegsgebiet gefangen sind. Die Auswirkungen der Belagerung von Straßburg gehen weit über den lokalen Kontext hinaus und geben Aufschluss über die Dilemmata, die unsere Zeit heimsuchen - in der Kollateralschäden und humanitäre Interventionen zu einem wichtigen Teil unseres strategischen Vokabulars geworden sind.