
Biblical Commentary and Translation in Later Medieval England
Diese Studie stützt sich weitgehend auf unveröffentlichte handschriftliche Quellen und deckt die Experimentierkultur auf, die die Bibelexegese im England des vierzehnten Jahrhunderts umgab. Auf einem Gebiet, das reif für eine Revision ist, stellt Andrew Kraebel die gängige (von den Autoren der Reformation übernommene) Theorie in Frage, dass mittelalterliche englische Bibelübersetzungen eine proto-protestantische Ablehnung scholastischer Auslegungsmethoden darstellen.
Stattdessen argumentiert er, dass die frühen Übersetzer selbst Teil einer größeren scholastischen Auslegungstradition waren und versuchten, diese Tradition einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Übersetzung war somit eine von vielen Möglichkeiten, mit denen englische Exegeten mit den Möglichkeiten des Kommentars experimentierten.
Das Buch ist breit angelegt und konzentriert sich auf Werke von Schriftstellern wie dem Ketzer John Wyclif und dem Einsiedler Richard Rolle sowie auf eine Reihe weniger bekannter Autoren wie Henry Cossey und Nicholas Trevet und viele anonyme Texte. Die Studie gibt neue Einblicke in den Erfindungsreichtum mittelalterlicher Interpreten, die bereit waren, neue literaturkritische Methoden zu entwickeln und intellektuelle Risiken einzugehen.