Bewertung:

J. Sheridan LeFanus „Carmilla“ ist eine bahnbrechende Vampirgeschichte, die noch vor „Dracula“ geschrieben wurde und in der es um die komplexe Beziehung zwischen der jungen Erzählerin Laura und der verführerischen Vampirin Carmilla geht. Die Geschichte wird für ihren sprachlichen Reichtum, ihre psychologische Tiefe und atmosphärische Spannung gelobt. Sie erforscht Themen wie Begehren und die Natur des Bösen und wird auch für ihre historische Bedeutung im Vampirgenre geschätzt.
Vorteile:Reichhaltig geschrieben mit intelligenter und fesselnder Prosa.
Nachteile:Atmosphärisch und in der Lage, den Leser in eine Gothic-Welt eintauchen zu lassen.
(basierend auf 362 Leserbewertungen)
In der Steiermark bewohnen wir, obwohl wir keineswegs prächtige Menschen sind, ein Schloss. Ein kleines Einkommen macht in diesem Teil der Welt sehr viel aus. Acht- oder neunhundert im Jahr bewirken Wunder. Unseres wäre unter den wohlhabenden Leuten zu Hause kaum ausreichend gewesen. Mein Vater ist Engländer, und ich trage einen englischen Namen, obwohl ich England nie gesehen habe. Aber hier, an diesem einsamen und primitiven Ort, wo alles so wunderbar billig ist, sehe ich wirklich nicht, wie jemals so viel mehr Geld unseren Komfort oder gar unseren Luxus wesentlich erhöhen würde.
Mein Vater war in österreichischen Diensten, ging mit einer Pension und seinem Vermögen in den Ruhestand und erwarb diesen feudalen Wohnsitz und das kleine Anwesen, auf dem er steht, zu einem guten Preis.
Nichts kann malerischer und einsamer sein. Es steht auf einer leichten Anhöhe in einem Wald. Die Straße, die sehr alt und schmal ist, führt vor der Zugbrücke vorbei, die zu meiner Zeit nie hochgezogen wurde, und vor dem Wassergraben, der mit Barschen bestückt ist, über den viele Schwäne segeln und auf dessen Oberfläche weiße Flotten von Seerosen schwimmen.
Über all dem zeigt das Schloss seine vielfenstrige Fassade, seine Türme und seine gotische Kapelle.