
Chicago's Progressive Alliance
Jahrhunderts hatte sich Chicago, Schauplatz der Haymarket-Affäre und des Pullman-Streiks, einen Ruf als Bollwerk der Gewerkschaften erworben. Gleichzeitig war das Chicago der progressiven Ära als Laboratorium für soziale Reformen bekannt - die Stadt, in der Journalisten mit Schlagzeilen, Fachleute mit Hochschulausbildung und bürgerlich gesinnte Millionäre zusammenarbeiteten, um die Slums wieder aufzubauen, die sanitären Einrichtungen zu verbessern und die politische Korruption auszumerzen. Wenn sich Gewerkschafter und Reformer aus der Mittelschicht zusammentaten, war die Kombination aus Arbeitermilitanz und kluger Politik wirklich eine Kraft, mit der man rechnen musste.
In Chicago s Progressive Alliance erzählt Leidenberger die Geschichte der Koalition von Reformern und Arbeitern, die sich für die kommunale Kontrolle der Straßenbahnen in Chicago einsetzten. Warum Straßenbahnen? Zu jener Zeit waren Straßenbahnen das wichtigste Verkehrsmittel für die vielfältige Bevölkerung Chicagos, so dass gemeinsame Interessen sicherlich eine Rolle spielten. Die Arbeiter teilten auch die Ideologie der Reformer, und die Themen rund um die Straßenbahn umfassten eine ganze Reihe von Anliegen der Progressiven: die Debatte über das Ausmaß staatlicher Macht gegenüber privaten Dienstleistungsunternehmen, der Kampf gegen Korruption sowie die Nutzung und der öffentliche Charakter städtischer Räume. Vor allem aber verkörperte die Allianz das zentrale Ideal des Progressivismus: die Überwindung von Klassenkonflikten und die Definition des öffentlichen Interesses.
Durch die Untersuchung der Gründung, der politischen Taktik und des endgültigen Untergangs der Allianz bietet Leidenberger neue Einblicke in die Geschichte der Arbeit, der Klassenbeziehungen und der politischen Kultur im städtischen Amerika. Dramatische Fotos von Straßenbahnen und von Gewerkschaftsarbeitern und ihren Unterstützern unterstreichen diese Studie über den Progressivismus in Aktion. Chicagos Progressive Alliance wird all jene ansprechen, die sich für amerikanische politische Geschichte, Arbeitergeschichte, Stadtgeschichte und Verkehrsgeschichte interessieren.