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Christianity, Book-Burning and Censorship in Late Antiquity: Studies in Text Transmission
Nur ein kleiner Teil der antiken Literatur hat überlebt - weniger als ein Prozent, wie Schätzungen zeigen. Auch wenn die Gründe dafür unterschiedlich sind, so ist es doch eine Ironie, dass das Christentum, das oft für die Verbreitung von Büchern und Buchkultur verantwortlich gemacht wird, in der Spätantike ebenfalls aktiv an der Unterdrückung und Zerstörung von Büchern beteiligt war.
Der Autor Dirk Rohmann stellt die Belege für die Rolle zusammen, die christliche Institutionen, Schriftsteller und Heilige während des Römischen Reiches bei der Bücherverbrennung spielten. Rohmann analysiert ein breites Spektrum literarischer und juristischer Quellen, wobei er besonders darauf achtet, welche Gattungen und Buchtypen wahrscheinlich zur Zielscheibe wurden. Rohmann kommt zu dem Schluss, dass neben ketzerischen, magischen, astrologischen und antichristlichen Büchern auch andere, weniger offensichtlich subversive Kategorien von Literatur der Zerstörung und Zensur durch das Verbot des Kopierens von Manuskripten ausgesetzt waren. Zu diesen Texten gehörten Werke aus materialistischen philosophischen Traditionen, Texte, die zur Grundlage der modernen Philosophie und Wissenschaft werden sollten.
Während die Bücherverbrennung als anerkannte kulturelle Praxis funktionierte und Rohmann die große Vielfalt an Motivationen anerkennt, die bei den verschiedenen Zensurpraktiken am Werk waren, stellt er letztlich die Frage, inwieweit die christliche Bücherverbrennung und die damit einhergehenden Praktiken das Überleben heidnischer und vorchristlicher literarischer und philosophischer Texte negativ beeinflussten. Die Ablehnung, ja sogar die Auslöschung von Büchern durch das Christentum - die seiner eigenen Weltanschauung so sehr zuwiderlief - zeugt sowohl von der Gefährlichkeit von Texten in der Überlieferung als auch von der anhaltenden kulturellen und ideologischen Kraft des geschriebenen Wortes.