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Comanche Society, 23: Before the Reservation
Einst wurden die Comanchen als die Herren der Prärie bezeichnet und lange Zeit als lockere Banden plündernder Räuber dargestellt, die sich die Einführung der Pferde durch die Spanier zunutze machten, um ihr Volk durch Bisonjagd und erbitterte Kriegsführung aus der primitiven Armut herauszuführen. Neuere Studien über die Komantschen haben sich auf die Anpassung und das Fortbestehen des Lebensstils der Komantschen sowie auf die politische Organisation der Komantschen und ihre sprachbasierten Bündnisse konzentriert. In Comanche Society: Before the Reservation entwickelt Gerald Betty eine spannende und differenzierte Perspektive auf die treibende Kraft des Lebens der Comanchen: die Verwandtschaft. Betty beschreibt detailliert die Verwandtschaftsmuster, die der gesamten sozialen Organisation und dem sozialen Verhalten der Comanchen zugrunde lagen, und nutzt die gewonnenen Erkenntnisse, um die Lebensweise der Comanchen und ihre Interaktion mit den Europäern zu erklären, die ihre Begegnungen aufzeichneten. Es handelt sich dabei nicht um eine erzählerische Geschichte der Comanchen, sondern um eine Analyse der Clanbildung und der Art und Weise, wie diese über weite Gebiete hinweg funktionierten, um Kooperationen und Allianzen zu schaffen.
Von Hierarchien, die auf Familien- und Generationsbeziehungen beruhen.
Und der Ahnenkult und die damit verbundenen religiösen Zeremonien als Grundlage für soziale Solidarität. Die Autorin betrachtet dann eine Reihe von Aspekten des Lebens der Komantschen - Weidewirtschaft, Migration und Nomadentum, Wirtschaft und Handel, Kriegsführung und Gewalt - und wie sich diese entlang von Verwandtschaftslinien entwickelten. Bei der Betrachtung der Frage, wie und warum die Komantschen die spanische Pferdeweidewirtschaft übernahmen, zeigt Betty deutlich, dass die Weidewirtschaft ein Ausdruck der indigenen Kultur war, nicht deren Ursache. Er beschreibt detailliert die Pferdekultur der Komantschen, wie sie von den Spaniern beobachtet wurde, und die indianische Anpassung der iberischen Praktiken. In diesem Zusammenhang untersucht er die verwandtschaftlichen Grundlagen der Vererbungspraktiken, die, wie er argumentiert, die Grundlage für den privaten Besitz von Vieh bildeten. Betty stützt sich auf obskure Details, die in den spanischen Berichten über ihre Zeit in den Ländern, die als Comancher a bekannt wurden, verborgen sind, und bietet einen interpretierenden Blick auf die Kultur der Comanchen des 18. und 19. Jahrhunderts, der neue Ordnungsprinzipien für die zuvor gesammelten Informationen bietet. Dies ist modernste Geschichtsschreibung, die sich nicht nur auf die Originalforschung in umfangreichen Primärdokumenten stützt, sondern auch auf theoretische Perspektiven aus anderen Disziplinen. Gerald Betty lehrt Geschichte an der Texas A&M University-Corpus Christi. Er besitzt einen Doktortitel der Arizona State University.