
Copyright Africa: How intellectual property, media and markets transform immaterial cultural goods
Afrika ist bekannt für seine facettenreiche immaterielle Kultur, die sich in höchst origineller Musik, mündlichen Texten, künstlerischen Darbietungen und Sportveranstaltungen manifestiert.
Diese kulturellen Ausdrucksformen werden zunehmend durch geistige Eigentumsrechte geregelt, da mündlich überlieferte Geschichten aufgeschrieben, traditionelle Lieder gesendet und Eigentumsrechte geltend gemacht werden und sportliche Aktivitäten, die einst Teil des Dorflebens waren, zu nationalen Medienereignissen werden. In diesem Band untersucht ein interdisziplinäres Team aus Rechtsexperten, Anthropologen und Literaturwissenschaftlern aus afrikanischer Sicht, was mit immateriellen Kulturgütern geschieht, wenn sie mit einer groß angelegten Kommerzialisierung und Verbreitung durch Medientechnologien sowie mit globalisierten und divergierenden Rechtssystemen, Institutionen und kulturellen Normen konfrontiert werden.
Diese Veränderungen werden in Kontexten beobachtet, die von senegalesischen Wrestling-Wettbewerben bis zu Schönheitswettbewerben in Mali, von kenianischem Hip-Hop bis zum nigerianischen Roman, von der Vuvuzela-Hupe bis zu kamerunischen Masken reichen. Die Beiträge befassen sich mit der Rolle des Staates und dem Erbe des europäischen Ursprungs der Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums sowie mit den Eigentumsformen, den Vermittlungstechnologien und dem Grad der Kommerzialisierung, die in den verschiedenen afrikanischen Gesellschaften vor der Kolonialisierung existierten. Die Studie widersetzt sich der Darstellung, dass ein westliches Rechtssystem ältere afrikanische Formen verdrängt hat, und zeigt ein komplexeres Bild der komplizierten Verflechtungen zwischen Piraten, Künstlern, Gemeinschaften, Regierungen und internationalen Organisationen.
Nur wenn sich lokale Akteure in einer bestimmten historischen Situation Technologien und Vorschriften zu eigen machen, werden diese zu einflussreichen Kräften für Veränderungen. Die Frage, die sich stellt, ist nicht, ob die internationalen Normen des geistigen Eigentums mit den afrikanischen Praktiken übereinstimmen oder ob die Medien westliche Stile aufzwingen, sondern vielmehr, was die lokalen Akteure mit diesen Vorschriften machen und wie sich lokale und westliche Praktiken und Technologien gegenseitig beeinflussen und nebeneinander bestehen.