
Daniele Barbaro's Perspective of 1568
Ein Jahr nach der zweiten Auflage seiner berühmten Übersetzung und des Kommentars zu Vitruv veröffentlichte Daniele Barbaro die Praxis der Perspektive, einen Text, an dem er bereits viele Jahre zuvor gearbeitet hatte. Barbaro war der erste, der eine formale Abhandlung veröffentlichte, die ausschließlich der Wissenschaft der geometrischen Perspektive gewidmet war. In einem informellen Stil, der sich vor allem an praktizierende Künstler und Architekten wendet, greift Barbaro zunächst auf die handschriftliche Abhandlung von Piero della Francesca zurück und erweitert sie hinsichtlich der Grundlagen perspektivischer Konstruktionen für die Darstellung dreidimensionaler Körper auf zweidimensionalen Medien, um dann zu zeigen, dass die Perspektive auch für andere wissenschaftliche und künstlerische Anwendungen wie Kartografie, Kosmologie, Bühnenbild und Anamorphose ein besonders geeignetes Instrument ist.
Hier wird Barbaros The Practice of Perspective zum ersten Mal in einer englischen Übersetzung für zeitgenössische Wissenschaftler zugänglich gemacht, ergänzt durch Anmerkungen, die die gedruckte Abhandlung mit den drei unveröffentlichten Manuskripten des Werks in italienischer und lateinischer Sprache in Verbindung bringen, die heute in der Biblioteca Nazionale Marciana in Venedig aufbewahrt werden.
Ein Vorwort von Philip Steadman gibt den Rahmen für dieses Buch vor. Ausführliche Essays der Autoren Kim Williams und Cosimo Monteleone ordnen die Abhandlung in das redaktionelle Panorama des Cinquecento ein, skizzieren die Innovationen, die Barbaro in das Studium der Perspektive einbrachte, und konzentrieren sich insbesondere auf seine kreativen Erkundungen geometrischer Körper und die Konstruktion von Uhren.
Das Ziel des vorliegenden Buches ist es, den wirklich innovativen Charakter von Barbaros Experimenten und Ergebnissen aufzuzeigen und ihm seinen rechtmäßigen Platz als origineller Gelehrter der Perspektivtheorie der Renaissance zurückzugeben.