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Martin Scorsese's America
Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Martin Scorsese der Chronist einer besessenen Gesellschaft, in der materieller Besitz und körperlicher Komfort geschätzt werden, in der das Streben nach individueller Verbesserung belohnt wird und in der das männliche Vorrecht respektiert und bewahrt wird.
Scorsese hat seine Filme oft als Soziologie bezeichnet, und er hat Recht: Seine Erzählungen verdichten komplexe Informationen zu verständlichen Geschichten über die Gesellschaft. In diesem Sinne ist er ein Wegweiser durch die dunkle Welt des Kryptofaschismus des neunzehnten Jahrhunderts bis hin zu einem fetischistischen zwanzigsten Jahrhundert, in dem Gütern, Ruhm, Geld und Macht eine magische Kraft zugeschrieben wird.
Ellis Cashmore, Autor von Tyson: Nurture of the Beast und Beckham, wendet sich dem wohl einflussreichsten lebenden Filmemacher zu, um zu erforschen, wie Scorsese sich Amerika vorstellt. Gier, Männlichkeit, die Stadt und romantische Liebe spielen in Scorseses Landschaft des weltlichen Materialismus eine Rolle. Sie gehören zu den Themen, die laut Cashmore das Werk von Scorsese bestimmen und beeinflussen. Das ist Amerika, wie es durch die Augen von Martin Scorsese gesehen wird, und es ist ein zutiefst unangenehmer Ort.
Cashmores Buch legt offen, wie Scorseses Filme insgesamt ein Bild von Amerika zeichnen. Es ist ein Bild, das sich aus den Perspektiven obsessiver Menschen zusammensetzt, seien es ausgebrannte Rettungssanitäter, zwanghafte Unternehmer, gequälte Liebende oder auf Berühmtheiten fixierte Comedians. Es wird in Billardhallen, Taxis, Boxringen und Jazzclubs gesammelt. Es ist ein Bild, das spezifisch und doch allgegenwärtig ist. Es ist das Amerika von Martin Scorsese.