Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 2 Stimmen.
The Other/Argentina
The Other/Argentina befasst sich mit Literatur, Film und bildender Kunst, um die Fäden des Jüdischen zu untersuchen, die im Gewebe der argentinischen Selbstdarstellung Bedeutungsmuster schaffen. Als multiethnisches, aber zutiefst römisch-katholisches Land hat Argentinien große Anstrengungen unternommen, um sich zu einer modernen Nation zu entwickeln. Dabei hat es sich mit dem Paradox des Jüdischseins auseinandergesetzt, das sowohl für die Moderne als auch für die verbleibenden Spuren der Vormoderne symbolisch ist. Gleichzeitig ist das Jüdische mit der argentinischen Identität verwoben, aber auch von ihr verschieden. Folglich spielen Bücher, Filme und Kunst, die über das Judentum reflektieren, eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung der argentinischen Kulturlandschaft. Dabei schreiben sie notwendigerweise Geschlechts- und Sexualitätsnormen ein und stellen sie manchmal in Frage.
Genauso wie das Judentum nach Argentinien einsickert, prägen die Geschichte, die Politik und die Kultur Argentiniens das Judentum und verändern seine Bedeutung. Der verweiblichte Körper des jüdischen Mannes ist zum Beispiel tief in der westlichen Tradition verwurzelt, aber der stigmatisierte Körper der jüdischen Prostituierten und der zerfetzte Körper des jüdischen Folteropfers erhalten in Argentinien eine besondere Bedeutung. Darüber hinaus gehören zu Argentiniens ikonischen jüdischen Figuren nicht nur der Hausierer und der Gelehrte, sondern auch der jüdische Gaucho und der städtische Mafioso, was die konventionellen Lesarten jüdischer Männlichkeit in Frage stellt.
Auf der Suche nach Fäden des Jüdischseins, die reichlich mit der Komplexität von Geschlecht und Sexualität durchtränkt sind, untersucht The Other/Argentina die Muster, die diese Fäden, wie offen oder subtil auch immer, in das Gewebe der argentinischen nationalen Bedeutung einweben, insbesondere in solch kritischen Momenten der argentinischen Geschichte wie der Zeit der massiven staatlich geförderten Einwanderung, dem Aufstieg der Arbeiter- und Anarchistenbewegungen, der Per-n-Ära und der Diktatur 1976-83. Mit der These, dass das Judentum ein wesentliches Element der Selbstgestaltung Argentiniens als moderne Nation ist, verlagert das Buch den Fokus der lateinamerikanischen Judaistik von der jüdischen Identität auf die Bedeutung des Judentums für die Nation.