Bewertung:

Das Buch ist eine kritische Ausgabe des Liber Divinorum Operum der heiligen Hildegard, die für ihren reichen Inhalt und ihre durchdachten Einsichten gelobt wird. Während es eine klare Übersetzung und ein wertvolles Register bietet, fanden einige Leser es manchmal schwierig zu folgen und wiesen auf verbesserungswürdige Bereiche wie die Qualität der Bilder und mögliche Fehlklassifizierungen in den Reihen hin.
Vorteile:Reich an Schönheit und Weisheit, klare Übersetzung, ausgezeichnete Fußnoten, wertvolles Register und Querverweise, eine Vertiefung von Hildegards Vision und insgesamt ein Schatz für die Leser.
Nachteile:An manchen Stellen ist es etwas schwierig, dem Buch zu folgen, die Bilder sind nur in schwarz-weiß, es fehlen Diagramme zur Verdeutlichung, und es gibt Bedenken hinsichtlich der Einordnung in die Reihe der „Kirchenväter“, anstatt Hildegard als „Mutter der Kirche“ anzuerkennen.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
The Book of Divine Works
Die heilige Hildegard von Bingen (1098-1179), die 2012 zur Doktorin der Kirche erklärt wurde, ist eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten des mittelalterlichen lateinischen Christentums. Als visionäre Theologin und prophetische Reformerin sowie als Komponistin, Künstlerin und Naturwissenschaftlerin hallt ihre Stimme durch die Jahrhunderte und bietet heute eine ganzheitliche Vision der Beziehung zwischen Kosmos und Menschheit.
Das 1173 vollendete Buch der göttlichen Werke (Liber Divinorum Operum) ist der Höhepunkt des theologischen Projekts der visionären Ärztin, das hier zum ersten Mal in einer vollständigen und wissenschaftlichen englischen Übersetzung vorliegt. Der erste Teil untersucht die komplizierten physischen und spirituellen Beziehungen zwischen dem Kosmos und dem Menschen, mit dem berühmten Bild des universellen Menschen, der rittlings auf den kosmischen Sphären steht. Der zweite Teil untersucht die Belohnungen für Tugend und die Bestrafungen für Laster, die in einer Geographie des Fegefeuers, des Höllenschlunds und des Weges zur himmlischen Stadt dargestellt sind.
Am Ende eines jeden Teils schreibt Hildegard ausführliche Kommentare zum Prolog des Johannesevangeliums (Teil 1) und zum ersten Kapitel der Genesis (Teil 2) - als einzige Frau der Vormoderne. Der dritte Teil schließlich erzählt die Heilsgeschichte, die sich als Stadt Gottes neben dem Berg des göttlichen Vorherwissens vorstellt, in der die göttliche Liebe über alles herrscht.
Für Hildegard ist die Menschwerdung der Schlüsselmoment der ganzen Geschichte, von Ewigkeit her gewollt, um das Werk Gottes zu vollenden. Die schöpferische Fähigkeit und die liebende Sendung Gottes werden so mit den Menschen geteilt, die er nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat - für Hildegard die Tunika des menschgewordenen Christus bzw. die schöpferische Vernunft des Wortes.
Da wir die ganze Schöpfung in uns tragen, sind wir göttlich dazu berufen, am Werk des Schöpfers mitzuwirken und eine fruchtbare und nachhaltige Beziehung zur Schöpfung einzugehen. Der Umfang von Hildegards visionärer Theologie ist sowohl kosmisch als auch nah - die Reflexionen von Gottes liebender Selbstoffenbarung sind sowohl großartig als auch äußerst intim, da das Werk Gottes vom Herzen der Unendlichkeit bis in jedes kleinste Detail der geschaffenen Welt reicht.