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The Virgin Mary's Book at the Annunciation: Reading, Interpretation, and Devotion in Medieval England
Preisträger des Frank S. und Elizabeth D. Brewer-Preises 2021 der Amerikanischen Gesellschaft für Kirchengeschichte.
Gewinner des SMFS 2022 Best First Book in Medieval Feminist Studies Award.
Ein übersehener Aspekt der Ikonographie der Verkündigung wird untersucht - Marias Buch.
Die Verkündigung ist nach wie vor eine der bekanntesten Szenen des westlichen Christentums: Der Engel Gabriel wendet sich an die Jungfrau Maria und hält den Moment fest, in dem Christus zur Menschwerdung kommt. Aber ein beständiges Detail hat sich unserer Untersuchung entzogen - Marias Buch. Was hat sie gelesen? Was bedeutet ihr Buch?
Diese innovative Studie zeichnet die Geschichte von Marias Buch der Verkündigung vom frühen Mittelalter bis zur Reformation nach und konzentriert sich dabei auf eine Vielzahl religiöser Traktate, visionärer Berichte und Kunst. Es wird argumentiert, dass die Jungfrau ein ausgeklügeltes Lese- und Interpretationsmodell lieferte, das für die Andachtspraktiken aller Gesellschaftsschichten im mittelalterlichen England und insbesondere für die eingeschlossenen weiblichen Leserinnen grundlegend war. Indem sie die Jungfrau nachahmten, lernten die Leser zu lesen, zu beten und Gott durch Visionen und Offenbarungen zu lenken. Vor allem aber lernten sie, Gott geistig zu empfangen, so wie Maria ihn körperlich empfangen hatte, und so wie sie die alttestamentlichen Prophezeiungen, die die Menschwerdung voraussagten, intellektuell verstanden hatte - dass sie selbst Teil ihrer Erfüllung war. Die Verkündigung bot ein hermeneutisches Modell der Empfängnis, das sich radikal auf den reproduktiven weiblichen Körper stützte, was in der mittelalterlichen Kultur ansonsten äußerst problematisch war.
Die Bedeutung der Jungfrau Maria für die Menschen des Mittelalters wird seit langem von Wissenschaftlern untersucht. Aber nur wenige würden sie als intellektuelles Vorbild betrachten. Doch genau das wird in diesem Buch behauptet - dass die Lesung Marias bei der Verkündigung im Grunde ein fehlendes Glied ist, um zu verstehen, wie Lesen, Interpretation und Frömmigkeit im Mittelalter funktionierten.