
The Life of Permafrost: A History of Frozen Earth in Russian and Soviet Science
Im Anthropozän hat das Auftauen der gefrorenen Erde aufgrund der globalen Erwärmung die weltweite Aufmerksamkeit auf den Permafrost gelenkt.
Heutige Wissenschaftler definieren Permafrost als Boden, der mindestens zwei Jahre lang eine negative Temperatur beibehält. Doch woher stammt diese besondere Auffassung von Permafrost und welche Alternativen gibt es? The Life of Permafrost bietet eine intellektuelle Geschichte des Permafrosts und stellt das Phänomen in den politischen, sozialen und materiellen Kontext der russischen und sowjetischen Wissenschaft.
Pey-Yi Chu zeigt, dass das Verständnis der gefrorenen Erde durch zwei Schlüsselerfahrungen im Russischen Reich und in der Sowjetunion geprägt wurde. Einerseits nährte die Kolonisierung und Industrialisierung Sibiriens eine ingenieurwissenschaftliche Perspektive auf gefrorene Erde, die das Phänomen als eine physikalische Gesamtstruktur betrachtete: den Boden. Andererseits förderte die russische und sowjetische Tradition des Systemdenkens die Betrachtung der gefrorenen Erde als Prozess, Zustand und Raum, der mit dem planetarischen Austausch von Energie und Materie verbunden ist.
Unterstützt durch die Militarisierung der Arktis durch die USA während des Kalten Krieges setzte sich die ingenieurwissenschaftliche Sichtweise der gefrorenen Erde als Hindernis für den Bau durch. The Life of Permafrost erzählt die faszinierende Geschichte, wie der Permafrost durch die Erforschung, Benennung und Definition durch russische und sowjetische Wissenschaftler zum Leben erweckt wurde.