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Provincial Russia in the Age of Enlightenment
Die Memoiren von Dmitrij Iwanowitsch Rostislawow - einem Mathematiker, Lehrer und Sozialkritiker - bieten einen seltenen Blick aus erster Hand auf das provinzielle Russland des späten 18. und frühen 19. Diese außergewöhnlichen Beobachtungen, die zum ersten Mal ins Englische übersetzt wurden, verraten viel über das tägliche Dorfleben und das kulturelle Milieu jener Zeit. Als scharfer Beobachter erörtert Rostislavov soziale und ethnische Beziehungen ebenso wie Fragen der Bildung, der Strafverfolgung, der religiösen Praxis und des Volksglaubens.
Rostislavovs Bericht über seine eigene Erziehung ist eine erschütternde Beschreibung des Erwachsenwerdens in einer darwinistischen Welt voller Gewalt und Grausamkeit. Grobschlächtige, verarmte Schüler, brutale und korrupte Lehrer und gefühllose Grundbesitzer bildeten ein raues Umfeld, das von sadistischen Prügelstrafen und bitterem Klassenhass geprägt war. In seiner humorvollen, elegischen und leidenschaftlichen Erzählung zeigt er, warum selbst Menschen aus relativ privilegierten Verhältnissen die autoritäre Ordnung des alten Regimes verabscheuten.
In einer gründlichen Analyse der russischen Staatsordnung stellte Rostislawow fest, dass die beiden Übel, mit denen Russland konfrontiert ist, die Verrohung der traditionellen Gesellschaft sowie der Autoritarismus und die Korruption des Regimes und seiner Vertreter sind. Russlands Hoffnung für die Zukunft lag seiner Meinung nach in kulturellen Veränderungen, die letztlich das moralische Niveau der Gesellschaft anheben würden. Illustrationen, Karten und eine Einleitung, die den historischen Kontext beleuchtet, begleiten diesen bemerkenswerten Bericht über das Leben im provinziellen Russland.