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Empire of Song: Europe and Nation in the Eurovision Song Contest
Der Eurovision Song Contest (ESC) ist mehr als ein musikalisches Ereignis, das angeblich "die europäischen Völker" durch Musik vereint. Er ist ein Spektakel: ein performatives Ereignis, das die Idee von "Europa" allegorisch darstellt.
Seit seinen Anfängen in der Zeit des Kalten Krieges fungiert der Wettbewerb als symbolischer Raum für die Darstellung des europäischen Selbst und die Aushandlung europäischer Identitäten. Durch den ESC wird Europa erlebt, gefühlt und imaginiert, indem gesungen und getanzt wird, während das Zusammenspiel der Tropen des Lokalen und/oder des Europäischen inszeniert wird. In Empire of Song: Europe and Nation in the Eurovision Song Contest interpretieren die Autoren den ESC als musikalische "Medienlandschaft" und Mega-Event, in dem die sich wandelnden Visionen des europäischen Projekts auf unterschiedliche Art und Weise dargestellt und aufgeführt werden.
Durch die Untersuchung der Kulturpolitik des ESC erörtern die Autoren die Art und Weise, in der Musik als dynamischer Knotenpunkt für die Schaffung nationaler Identitäten und europäischer Empfindungen fungiert, Prozesse der "Assimilation" oder "Integration" hervorbringt und den berühmten Begriff des "europäischen Bürgers" in einem globalen Kontext definiert. Die Wissenschaftler des Bandes untersuchen auch die Art und Weise, wie Andersartigkeit und Differenz in der im Fernsehen übertragenen musikalischen Realität des ESC produziert, spektakulär gemacht, in Frage gestellt oder sogar vernachlässigt werden.
Für die Autoren ist das Lied ein Ort, an dem sich Europa und die Nation konstituieren, auf und hinter der Bühne. Geschichte und Politik sowie die ständige Produktion von europäischen Subjektivitäten werden in Liedern zum Ausdruck gebracht. Der Eurovisionssong ist ein sich wandelnder Bereich, in dem alte und neue Staaten ihre Vergangenheit imaginieren, ihre Gegenwart in Frage stellen und sich eine ideale Zukunft im Neuen Europa ausmalen.
Die Aufsätze in Empire of Song nehmen theoretische und erkenntnistheoretische Orientierungen in ihrer Erforschung der "populären Musik" innerhalb der Ethnomusikologie und der kritischen Musikwissenschaft an und hinterfragen die Idee von "Europa" und der "Nation" durch und in der Musik, in einer Zeit, in der das europäische Selbst fragmentierter, wenn nicht gar völlig zerrüttet erscheint. Empire of Song vereint Musikethnologie, Musikwissenschaft, Geschichte, Sozialanthropologie, feministische Theorie, Linguistik, Medienethnographie, postkoloniale Theorie, vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie und ist für Studenten und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen interessant.