Bewertung:

Das Buch untersucht die Bildungsgeschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie unter dem Blickwinkel der „nationalen Indifferenz“ und widerspricht der Vorstellung, dass der Nationalismus in dem multiethnischen Reich unterdrückt wurde. Stattdessen wird postuliert, dass die Bildung eine vielschichtige imperiale Identität kultivierte. Die Analyse umfasst eine Kritik der Geschichtslehrbücher und betont die moralischen Dimensionen der Bildung. Kritisiert wird jedoch, dass sich das Buch nur begrenzt auf das Thema Bürgerbildung konzentriert und es an einer vergleichenden Analyse mit anderen multiethnischen Bildungspraktiken mangelt.
Vorteile:Das Buch bietet eine interessante Perspektive auf die Rolle der Bildung bei der Herausbildung eines vielschichtigen imperialen Bewusstseins in Österreich-Ungarn, gestützt auf gut recherchierte Analysen von historischen Texten und Lehrplänen. Sie hebt die moralische und staatsbürgerliche Dimension der Bildung in dieser Zeit hervor.
Nachteile:Sie greift jedoch zu kurz, da sie sich nicht mit dem breiteren Konzept der staatsbürgerlichen Erziehung befasst, sondern sich nur auf die subjektive Bürgererziehung konzentriert. Die Ergebnisse werden als etwas vorhersehbar und wenig originell angesehen, und der Autor hat Gelegenheiten für eine vergleichende Analyse mit ähnlichen Bildungstrends in anderen Regionen verpasst.
(basierend auf 1 Leserbewertungen)
Teaching the Empire: Education and State Loyalty in Late Habsburg Austria
Teaching the Empire" untersucht, wie das habsburgische Österreich die Bildung nutzte, um den Patriotismus seiner Bevölkerung zu fördern. Öffentliche Schulen waren in Europa und den Vereinigten Staaten seit ihrer Gründung im neunzehnten Jahrhundert ein Instrument zur Förderung des Patriotismus. Auf einer grundlegenden Ebene lehrte diese staatsbürgerliche Erziehung die Kinder etwas über ihren Staat und vermittelte gleichzeitig die gemeinsamen Mythen, Helden und Ideen, die die Gesellschaft zusammenhalten konnten. Die meisten Historiker haben sich auf die Entwicklung der politischen Bildung in Nationalstaaten wie Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich konzentriert. Es wurde angenommen, dass die multinationale Habsburgermonarchie ihre öffentlichen Schulen nicht für diesen Zweck nutzen wollte oder konnte. Teaching the Empire beweist, dass dies nicht der Fall war.
Durch eine gründliche Untersuchung des Lehrplans für staatsbürgerliche Erziehung, der in den habsburgischen Schulen von 1867 bis 1914 verwendet wurde, zeigt Moore, dass die österreichischen Behörden versuchten, eine vielschichtige Identität zu schaffen, die in der Loyalität gegenüber der Heimatprovinz, der nationalen Gruppe und dem Reich selbst wurzelt. Die Behörden betrachteten den Nationalismus nicht als Nullsummenspiel, bei dem mit zunehmendem Nationalismus die Loyalität zum Staat abnahm, sondern waren der Ansicht, dass der Patriotismus nur dann stark sein konnte, wenn regionale und nationale Identitäten gleichermaßen stark waren. Man hoffte, dass diese vielschichtige Identität ein gemeinsames Gefühl der Zugehörigkeit zwischen Bevölkerungsgruppen schaffen würde, die nicht denselben kulturellen oder sprachlichen Hintergrund hatten.
Die österreichische staatsbürgerliche Erziehung war Teil eines jeden Aspekts des Schullebens - vom Unterricht bis hin zu Schulveranstaltungen. Diese Forschungsarbeit revidiert lange bestehende historische Vorstellungen über die staatsbürgerliche Erziehung in der Habsburgermonarchie und zeigt die Komplexität der österreichischen Identität und Zivilgesellschaft auf, wobei die Habsburgermonarchie verdientermaßen in die breitere Diskussion über die Rolle der Bildung in der modernen Gesellschaft einbezogen wird.