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The Red Canoe
In Jeanne Emmons' Gedichtband Das rote Kanu wird das Kanu zum Transportmittel und zur Metapher für das Geheimnis der poetischen Vorstellungskraft. Die Gedichte bewegen sich zwischen dem Blickwinkel des Dichters, dem das Kanu gehört, und dem Bewusstsein des Kanus selbst, wenn es auf dem See gleitet, gegen den Steg stößt, an dem es festgemacht ist, oder am Ufer unter einer Schneedecke liegt.
Das Kanu wird zum Auge, zum Ohr und zum Mund, mit dem die Welt wahrgenommen wird, es nimmt die Jahreszeiten nacheinander auf und sinniert über seine eigenen Grenzen und Träume. Wie das Spinnennetz, das sich über Nacht im Kanu bildet, ist das Kanu ein zitterndes Netz, bereit, "die kleinste segelnde Eintagsfliege der Möglichkeit" zu fangen, die sich in seinem Bewusstsein verfangen könnte. Das Kanu sehnt sich nach Anerkennung und Aufmerksamkeit, es flirtet wie Marilyn Monroe und lächelt wie ein geschminkter Mund.
Aber es fühlt sich auch zu sehr exponiert und möchte sich von den hupenden Gänsen, die es umgeben, zurückziehen und ablenken. Es ist sich bewusst, wie auffällig es in den gedämpften Farben der Naturlandschaft ist, und möchte nicht rot sein, so wie sein Dichterbesitzer sich davor hütet, "gelesen" zu werden.
Das Kanu ist allein, und doch ist es sich einer unsichtbaren Kraft, die es paddelt, halb bewusst. Es wünscht sich, frei zu sein, obwohl es weiß, dass seine Natur Grenzen setzt.
Das Kanu hinterfragt seinen Drang, die Realität zu verwandeln, "weiß nicht, warum alles verglichen werden muss, um voll erfasst zu werden", kann sich aber nicht davon abhalten, sich in ein "Gewirr von Verbindungen" zu begeben. Das rote Kanu entpuppt sich allmählich als Metapher für das Bewusstsein selbst und nicht nur für die poetische Vorstellungskraft, sondern auch für den menschlichen Zustand - aufstrebend, begrenzt und selbstbewusst.