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The Diary of a Gulag Prison Guard
In den Archiven des Internationalen Menschenrechtszentrums Memorial in Moskau befindet sich ein außergewöhnliches Tagebuch, ein seltenes Zeugnis eines Kommandanten eines sowjetischen Arbeitslagers aus erster Hand.
Iwan Tschistjakow wurde 1935 in den Gulag geschickt, wo er über ein Jahr lang im Strafarbeitslager Baikal-Amur arbeitete. Für Iwan Tschistjakow, einen kultivierten Moskauer mit einer Sehnsucht nach dem vorrevolutionären Russland, einen Amateurmaler und Dichter, war das Leben im Gulag ein Gräuel. Er hielt die Schrecken mit einer unvergleichlichen Unmittelbarkeit fest und dokumentierte eine Welt, in der kleinliche Rivalitäten das Leben gefährdeten, Häftlinge sich die Finger abhackten, um beim Kartenspiel zu wetten, Eisenbahnschwellen als Brennholz verbrannt wurden und sibirische Winde den Schaum auf der Seife gefrieren ließen.
Von seinen stolpernden poetischen Betrachtungen über die bittere Landschaft bis hin zu seinen nüchternen Bemerkungen über seinen Herd, von Berichten über die Bedingungen im Lager bis hin zu Reflexionen über die Grausamkeit der Einsamkeit ist dieses Tagebuch einzigartig - eine hautnahe und unmittelbare Beschreibung eines Ortes und einer Zeit, deren Auswirkungen noch immer die Gestalt des modernen Russlands prägen.