
The Thun-Hohenstein Album: Cultures of Remembrance in a Paper Armory
Die erste umfassende Studie über die Darstellung des Harnischs im Thun-Hohensteiner Album vor dem Hintergrund des lebendigen künstlerischen und kulturellen Kontexts, in dem er entstanden ist.
Im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa war die Rüstung mehr als eine defensive Technologie für den Krieg oder den ritterlichen Sport. Ihre verschiedenen Typen bildeten eine komplexe Bildsprache. Luxusrüstungen wurden genau an den Körper des Trägers angepasst, und ihre einprägsamen Details erklärten seinen Status. Leere Rüstungen konnten die physische Präsenz ihres Besitzers hervorrufen und Erinnerungen an ritterliche Persönlichkeiten, glanzvolle Prachtentfaltung und beeindruckende Waffenkunstwerke wecken. Ihre Erinnerungskraft hielt noch lange an, nachdem die Schlacht beendet war, die Trompeten verstummt waren und sich der Staub auf der Turnierarena gelegt hatte.
Das Thun-Hohenstein-Album, von dem man früher annahm, dass es Vorentwürfe von Waffenmeistern enthielt, ist eine gebundene Sammlung von Zeichnungen professioneller Buchmaler, die einige der künstlerisch und technisch innovativsten Rüstungen des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts zeigen. Wie eine Papierversion der fürstlichen Waffenkammern, die um 1500 entstanden, bieten die Bilder des Albums reiche Orte der Bedeutung und Erinnerung. Ihre Anordnung innerhalb des Kodex deutet auf die Bedeutung hin, die die Bilder für ihren Ersteller hatten. Gleichzeitig ermöglichen es die Komposition und die Details dem Leser, die Übertragung der erkennbaren Rüstungen und der Erinnerungen, die sie verkörperten, vom Amboss auf die Seite zu verfolgen.
Dieses Buch ist das erste, das das Album und die darin abgebildeten Rüstungen in ihrem lebendigen künstlerischen und kulturellen Kontext untersucht. In fünf thematischen Kapiteln werden anhand von Fallstudien dieser Zeichnungen die komplexen Überschneidungen des Albums mit den Genres der Kriegsgeschichte, der materiellen Kultur und der Literatur untersucht. Es zeigt auch die Beteiligung des Albums an Erinnerungskulturen, die mythische, ritterliche Persönlichkeiten, die um mächtige habsburgische Fürsten herum konstruiert wurden, vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit, von den Höfen des Heiligen Römischen Reiches bis zum aufstrebenden städtischen Publikum, weitertrugen.