Bewertung:

Das Buch bietet eine Reihe von Essays, die sich auf die Geschichte der Juden in Budapest im späten 19. Jahrhundert konzentrieren und ihren kulturellen Beitrag und den damals vorherrschenden Antisemitismus beleuchten. Der Text ist zwar größtenteils gut lesbar, kann aber manchmal etwas abstrakt sein. Er beleuchtet den sozialen Kontext des jüdischen Lebens in Budapest und erörtert die Komplexität ihrer gesellschaftlichen Interaktionen.
Vorteile:Unverzichtbare Lektüre für alle, die sich für die Geschichte der Juden in Budapest interessieren.
Nachteile:Bietet Einblicke in die kulturellen Beiträge der Juden im späten 19. Jahrhundert.
(basierend auf 3 Leserbewertungen)
Invisible Jewish Budapest: Metropolitan Culture at the Fin de Siecle
Nahezu ein Viertel der Budapester Bevölkerung des Fin de Siecle war jüdisch. Diese demografische Tatsache erscheint vor allem deshalb verblüffend, weil sie in den kanonischen Geschichtsbüchern der Stadt praktisch nicht vorkommt.
Budapest, das für seine kosmopolitische Kultur und sein pulsierendes Nachtleben berühmt war, verdankte seiner jüdischen Bevölkerung viel. In der Tat waren es die Juden, die zwischen 1867 und 1914 die komplexe urbane Moderne der Stadt mitgestalteten. Dennoch wurden diese Beiträge oft nicht anerkannt, was dazu führte, dass viele Budapester Juden metaphorisch, wenn nicht sogar buchstäblich, unsichtbar blieben.
In den Jahren danach, insbesondere in der Zwischenkriegszeit, versuchten Antisemiten innerhalb und außerhalb Budapests, den jüdischen Einfluss in der Stadt weiter auszulöschen. Bezeichnungen wie „sündige Stadt“ und „Judapest“ hinterließen ein giftiges Erbe, das oft ernsthafte Gespräche oder wissenschaftliche Forschungen zu diesem Thema verhinderte.
In diese Bresche stößt Mary Gluck, deren Ziel nicht weniger ist, als die verlorenen Konturen des jüdischen Budapest wiederzufinden. Sie taucht in die populäre Kultur der Kaffeehäuser, Musiksäle und Humorzeitschriften der Stadt ein, um den enormen Einfluss der assimilierten Juden auf die Entstehung des modernistischen Budapest aufzudecken. Sie erforscht das Paradoxon dieser Kultur, die sich als jüdisch identifizierte, aber kein erkennbares jüdisches Gesicht hatte. Da ein Großteil der jüdischen Bevölkerung eine säkulare, großstädtische Kultur vertrat und förderte, war ihr Einfluss als Juden sowohl tiefgreifend als auch unsichtbar.