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The Antechamber: Toward a History of Waiting
Helmut Puff lädt die Leser ein, Gesellschaften und Räume der Vergangenheit durch die Linse einer besonderen zeitlichen Modalität zu besuchen: dem Warten. Anhand von Literatur, Memoiren, Handbüchern, Chroniken, Bildmaterial und anderen Dokumenten präsentiert Puff eine Geschichte des Wartens, die in Vorzimmern verankert ist - Innenräumen, die zum Verweilen bestimmt und gestaltet sind.
Im frühneuzeitlichen kontinentalen Westeuropa wurden Vorzimmer in den Residenzen der Eliten zum Standard. Als zeitlich-räumliche Infrastruktur prägten diese Räume Begegnungen zwischen Ungleichen. Durch räumliche Distanz und zeitliche Verzögerung konstituierten Vorzimmer Autorität, Rang und Macht.
Puff erforscht sowohl die Logik als auch die Erfahrung des Wartens in solchen prägenden Räumen und zeigt, dass die Zeit ebenso trennt wie sie verbindet und dass die frühe Moderne, ganz im Gegensatz zu dem, was man ihr nachsagt, das Leben in der Zeit mit großer Aufmerksamkeit betrachtete. Anders als die zeitgenössische Gesellschaft die zeitliche Dimension in erster Linie betrachtet, war die Zeit für die Europäer der frühen Neuzeit keine objektive Kraft außerhalb des Selbst, sondern etwas, das mit dem Handeln in der Zeit verbunden war.
Nur durch Mauern und Türen getrennt, suchten die Kellner nach Gelegenheiten, ihr Los zu verbessern. Zu anderen Zeiten störten sie die ihnen zugestandenen Skripte.
Am Schnittpunkt von Geschichte, Literatur, Kunst- und Architekturgeschichte gelegen, zeigt diese umfassende Studie, dass das Warten eine Geschichte hat, die uns viel über soziale und Machtverhältnisse in Vergangenheit und Gegenwart zu erzählen hat.