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The White Ribbon
Weiße Bänder und schwarze Pädagogik - Michael Hanekes preisgekrönter Film Das weiße Band (2009) ist eine vielschichtige Reflexion über Reinheit, Ideologie, Gewalt und Kindererziehung. In diesem spannenden Schwarz-Weiß-Krimi ereignen sich 1913/14 mysteriöse Ereignisse in einer kleinen Stadt an der deutsch-polnischen Grenze.
Ein Stolperdraht bringt das Pferd des Arztes zu Fall; die Frau eines Landarbeiters fällt durch den Boden eines Schuppens; eine Scheune geht in Flammen auf; der Sohn des Barons wird furchtbar verprügelt; ein Mädchen behauptet, hellsehen zu können; ein geistig behinderter Junge wird gequält und verstümmelt. Während sich der Film am Vorabend des Ersten Weltkriegs abspielt, erinnert die Gewalt an andere historische Momente: den Zusammenbruch des multiethnischen österreichisch-ungarischen Reiches, den Aufstieg des Nationalsozialismus, das Aufkommen des deutschen Terrorismus der 1960er Jahre und den religiösen Fundamentalismus nach dem 11. September.
Fatima Naqvi untersucht in ihrem Buch Hanekes Technik, verschiedene Geschichten im digitalen Zeitalter zu kombinieren. Es reflektiert auch den Anschein von Literarizität und historischer Authentizität, in den der Regisseur seinen fiktionalen Film kleidet.
Er meditiert über die Einschreibetechniken des Films und seine Fähigkeit, ein internationales Publikum anzusprechen. Naqvi zeigt, dass Das weiße Band von einer gewissen historischen „Übersetzbarkeit“ in historische und ästhetische Kontexte außerhalb Deutschlands zeugt - in deutlichem Gegensatz zu der historischen Spezifität, die er auf einer oberflächlichen Ebene vermittelt.