Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 9 Stimmen.
The Arabic Freud: Psychoanalysis and Islam in Modern Egypt
Der erste eingehende Blick darauf, wie Denker der Nachkriegszeit in Ägypten die Überschneidungen zwischen islamischen Diskursen und psychoanalytischem Denken kartierten
1945 führte der Psychologe Yusuf Murad einen arabischen Begriff ein, der dem mittelalterlichen Sufi-Philosophen und Mystiker Ibn 'Arabi - al-la-shu'ur - entlehnt war und als Übersetzung für Sigmund Freuds Konzept des Unbewussten diente. In den späten 1950er Jahren wurde Freuds Traumdeutung für ein eifriges ägyptisches Publikum ins Arabische übersetzt. In The Arabic Freud stellt Omnia El Shakry die Vorstellung einer strikten Trennung zwischen Psychoanalyse und Islam in Frage, indem sie nachzeichnet, wie ägyptische Denker der Nachkriegszeit psychoanalytische Theorien mit Konzepten des klassischen islamischen Denkens zu einer kreativen Begegnung mit ethischem Engagement verschmolzen.
El Shakry, die sich sowohl auf wissenschaftliche Schriften als auch auf populäre Literatur zur Selbstheilung stützt, liefert die erste eingehende Untersuchung der Psychoanalyse in Ägypten und zeigt, wie eine neue Wissenschaft der Psychologie - oder "Wissenschaft der Seele", wie sie später genannt wurde - untrennbar mit dem Islam und der Mystik verbunden war. Sie untersucht, wie die Freud'schen Vorstellungen vom Unbewussten für die Entstehung moderner Subjektivitätsdiskurse in so unterschiedlichen Bereichen wie der Psychologie, der islamischen Philosophie und dem Recht entscheidend waren. Sie zeigt, dass die Gründerfiguren der ägyptischen Psychoanalyse über die Zeitlichkeit der Psyche, mystische Zustände, den Sexualtrieb und den Ödipuskomplex debattierten und dabei verblüffende Einblicke in die Natur des psychischen Lebens, der Ethik und des Eros gewährten.
Dieses provokante und aufschlussreiche Buch lädt uns ein, die Beziehung zwischen Psychoanalyse und Religion in der Moderne neu zu überdenken. Es zeigt die Schnittpunkte zwischen islamischen Diskursen und psychoanalytischem Denken auf und veranschaulicht, wie der arabische Freud, wie auch die Psychoanalyse selbst, über den Raum der menschlichen Differenz hinweg entwickelt wurde.