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Citizen Hariri: Lebanon's Neo-Liberal Reconstruction
Rafiq Hariri war der Silvio Berlusconi des Libanon: ein "Selfmade"-Milliardär, der Premierminister wurde und den Wiederaufbau nach dem Krieg prägte. Seine Ermordung im Februar 2005 hätte das Land beinahe in einen Bürgerkrieg gestürzt.
Doch Hariri war weder ein Milizenführer noch stammte er aus einer traditionellen politischen Familie. Wie konnte dieser Außenseiter zu einer solch immensen politischen und wirtschaftlichen Macht aufsteigen? Citizen Hariri zeigt, wie der Milliardär seinen Reichtum und seine engen Beziehungen zur saudischen Monarchie in politische Macht umwandelte. Hariri wird als Prisma benutzt, um zu untersuchen, wie die Veränderungen des globalen Neoliberalismus die libanesische Politik umgestaltet haben.
Er initiierte städtische Megaprojekte und blähte den Bankensektor auf. Und nachdem er als Bauunternehmer am Golf reich geworden war, machte er den Libanon zu einem Absatzmarkt für das Kapital aus den Golfstaaten. Die Konzentration des Reichtums und die Umstrukturierung des libanesischen Nachkriegsstaates waren mit den Auswirkungen des Neoliberalismus in anderen Ländern vergleichbar.
Gleichzeitig war Hariri aber auch eine zutiefst libanesische Persönlichkeit. Er musste sich gegen Milizenführer und ein feindliches syrisches Regime zur Wehr setzen. Der milliardenschwere Außenseiter verhielt sich schließlich wie ein traditioneller libanesischer politischer Mäzen.
Hannes Baumann bewertet nicht nur das persönliche Vermächtnis des Mannes, der als "Mr. Libanon" bezeichnet wurde, sondern zeichnet auch die umfassenderen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen nach, die sein Aufstieg mit sich brachte.