Bewertung:

In den Rezensionen wird Dr. Youngs Buch als eine fesselnde und augenöffnende Untersuchung der Mängel im Justizsystem hervorgehoben, insbesondere der Gefahren voreingenommener Ermittlungspraktiken, die zu unrechtmäßigen Inhaftierungen führen. Viele Rezensenten halten das Buch für Fachleute im Justizbereich für unverzichtbar und argumentieren, es fördere einen ethischeren Ansatz bei der Suche nach der Wahrheit.
Vorteile:Das Buch wird für seine verständliche und überzeugende Darstellung komplexer Themen im Justizsystem gelobt. Es wird Richtern, Kriminalbeamten und denjenigen empfohlen, die in der forensischen Wissenschaft tätig sind. Die Rezensenten schätzen die neuen Perspektiven, die das Buch bietet, und sein Potenzial, die Art und Weise zu verändern, wie Menschen über Schuld, Unschuld und Ermittlungspraktiken denken.
Nachteile:In einigen Rezensionen werden keine spezifischen Nachteile genannt, aber es kann eine implizite Besorgnis darüber bestehen, dass es schwierig sein könnte, festgefahrene Praktiken innerhalb des Justizsystems zu ändern. Außerdem könnte Skepsis darüber bestehen, wie gut sich die vorgestellten Ideen in der Praxis umsetzen lassen.
(basierend auf 4 Leserbewertungen)
The Sherlock Effect: How Forensic Doctors and Investigators Disastrously Reason Like the Great Detective
Die forensische Wissenschaft befindet sich in einer Krise und an einem Scheideweg. In Filmen und Fernsehserien werden Helden der Forensik mit Hightech-Geräten und schillerndem Intellekt dargestellt, die - innerhalb einer Stunde, ungeachtet der Werbung - aus Tatorten und Autopsien Puzzles aus vergangenen Ereignissen zusammensetzen. Auch Sherlock Holmes - der berühmte fiktive Detektiv und die Erfindung des Gerichtsmediziners Sir Arthur Conan Doyle - gilt als Vorbild für forensische und wissenschaftliche Inspiration - er denkt nicht "vorwärts" wie die meisten Menschen, sondern "rückwärts". Einfacher ausgedrückt: Anstatt den Ablauf von Ereignissen zu erfahren und zu sehen, ob die sich daraus ergebenden Hinweise mit diesen Ereignissen übereinstimmen, ermittelt Holmes, was in der Vergangenheit geschehen ist, indem er sich die Hinweise ansieht. So beeindruckend und unfehlbar diese Technik auch zu sein scheint - man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Unfehlbarkeit nur in fiktiven Werken besteht. Rückwärtsdenken funktioniert im wirklichen Leben nicht: Die Realität ist weit weniger ordentlich.
Überall in den Gerichtssälen zahlen unschuldige Menschen den Preis dafür, dass das Leben die Kunst imitiert, dass die Wissenschaft dem Kriminalroman folgt. Dieses Buch befasst sich insbesondere mit dem langen und verhängnisvollen Schatten, den die Ikone des deduktiven Denkens, Sherlock Holmes, geworfen hat.
In Der Sherlock-Effekt zeigt der Autor Dr. Thomas W. Young, warum diese Sherlock-Holmes-ähnliche Argumentation nicht funktioniert und darüber hinaus, wie sie zu falschen Verurteilungen führen kann - und geführt hat. Dr. Alan Moritz, einer der frühen Pioniere der forensischen Pathologie in den Vereinigten Staaten, warnte seine Kollegen in den 1950er Jahren davor, den Sherlock-Holmes-Fehler zu begehen. Moritz ahnte nicht, wie weit verbreitet das Problem schließlich werden würde und dass nicht nur Gerichtsmediziner, sondern auch Ärzte aller anderen medizinischen Fachrichtungen davon betroffen sein würden. Dr. Young zeichnet die Entwicklung dieser Situation nach, indem er auf die Geschichte der Gerichtsmedizin zurückblickt und das erschreckende Ausmaß aufzeigt, in dem uns Gerichtsmediziner tagtäglich im Stich lassen.
Obwohl Dr. Young dieses Buch nicht schreiben wollte, hat er sich im Interesse der Wissenschaft und der Wahrheit dazu gezwungen gefühlt. Dieses Buch ist maßvoll, gut begründet, zugänglich, aufschlussreich und - vor allem - überzeugend. Als solches ist es eine unverzichtbare Lektüre für Gerichtsmediziner, forensische Praktiker und Studenten, Richter, Anwälte, die Fälle vor Gericht beurteilen, und jeden, der sich für die forensische Wissenschaft interessiert.