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The Astronomer's Chair: A Visual and Cultural History
Der Beobachtungsstuhl des Astronomen als Bild und Objekt und die Geschichte, die er über eine bestimmte Art von Wissenschaft und eine bestimmte Sicht der Geschichte erzählt.
Der Astronomiestuhl ist ein Leitmotiv in der Geschichte der Astronomie und taucht in Hunderten von Zeichnungen, Drucken und Fotografien aus einer Vielzahl von Quellen auf. Vor allem die Sterngucker des neunzehnten Jahrhunderts zeigten gerne ihre Beobachtungsstühle - aufgabenspezifische, oft mechanisch verstellbare Observatoriumsmöbel, die für die Verwendung in Verbindung mit Teleskopen konzipiert waren. Aber welche Botschaft wollten sie mit diesen Bildern vermitteln? In The Astronomer's Chair (Der Stuhl des Astronomen) betrachtet Omar W. Nasim diese speziellen Stühle sowohl als Bild als auch als Objekt und bietet einen originellen Rahmen für die Verknüpfung von visuellen und materiellen Kulturen. Die Beobachtungsstühle, so argumentiert Nasim in genialer Weise, stellten Formen wissenschaftlicher Arbeit, Personen und körperlicher Praktiken dar, die das bürgerliche Empfinden ansprachen, und verkörperten diese.
Nasim betrachtet Bild und Objekt als zusammenhängende Teile moralischer, epistemischer und visueller Ökonomien des Imperiums und zeigt, dass die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts in Begriffen von Komfort und Energie dargestellt wurde und dass die "männliche" Haltung westlicher Astronomen bei der Arbeit auf speziellen Stühlen in scharfem Kontrast zu Bildern "verweichlichter" und im Schneidersitz sitzender "orientalischer" Astronomen stand. Indem er seine historische Analyse bis ins zwanzigste Jahrhundert ausdehnt, untersucht Nasim einen seiner Meinung nach berühmten Nachfahren des Astronomiestuhls neu: Freuds psychoanalytische Couch, die die Beobachtungen nicht nach außen auf die Sterne, sondern nach innen auf das geschichtete Universum der Psyche richtete. Doch ob in Verbindung mit dem Geist oder dem Himmel, der Beobachtungsstuhl war ein für Spezialisten konzipierter Einstiegspunkt, der auch weit verbreitete Annahmen darüber widerspiegelte, wer überhaupt einen epistemischen Zugang zu diesen Bereichen verdiente.
Mit mehr als 100 Abbildungen, viele davon in Farbe; flexibler Einband.