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The Aziz Bey Incident
Ein paar Stunden nach dem Vorfall ging Aziz Bey nach Hause. Er saß eine Weile im Licht einer blinkenden Glühbirne, die sich wie eine schwere Krankheit über das Zimmer legte, und schaute mit tränenüberströmten Augen, die einfach nicht fallen wollten, auf das zerbrochene Mondlicht, das sich im schmutzigen Wasser des Goldenen Horns spiegelte...".
Die Schreibweise von Ayfer Tun ist im Wesentlichen urban, und dennoch gelingt es ihr, ihren Figuren eine zerbrechliche Menschlichkeit und einen altmodischen Sinn für die Melancholie des modernen Lebens zu verleihen. Aziz Bey ist zugleich der echteste und der traurigste aller Helden. Hier sehen wir das Leben eines gewöhnlichen türkischen Mannes, eines berühmten Tambourmeisters, dessen Leben sich wegen seiner obsessiven Liebe zu Maryam von Istanbul bis Beirut erstreckt.
Wir werden Zeuge, wie diese Liebe mit der Zeit und den sich ändernden Umständen verblasst, was uns diesem Mann näher bringt als vielen anderen modernen Protagonisten. Mit der sanften Hand eines versierten Autors wird das Leben dieses einzigartigen Musikers in all seiner Süße und Mittelmäßigkeit offengelegt, bis wir uns fast sicher sind, dass wir ihn bei unserem nächsten Besuch in den pulsierenden Istanbuler Nachtbars wiedersehen könnten.