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The Way of the Barbarians: Redrawing Ethnic Boundaries in Tang and Song China
Shao-yun Yang stellt die Annahme in Frage, dass die kulturelle und sozioökonomische Zäsur der Tang-Song-Ära (800-1127 n. Chr.) durch eine fremdenfeindliche oder nationalistische Verhärtung der ethnokulturellen Grenzen als Reaktion auf die wachsende ausländische Bedrohung gekennzeichnet war.
In dieser Zeit waren die Neuinterpretationen des Chinesischen und seines vermeintlichen Gegenteils, der "Barbarei", keine einfachen Produkte des politischen Wandels, sondern hatten ihre eigene Entwicklungslogik, die auf zwei miteinander verknüpften intellektuellen Veränderungen innerhalb der literarischen Elite beruhte: dem Aufkommen der konfuzianischen ideologischen und intellektuellen Orthodoxie und dem Aufstieg der neokonfuzianischen (daoxue) Philosophie. Die neuen Diskurse betonten die Unbeständigkeit der Dichotomie zwischen Chinesen und Barbaren, untergruben die zentrale Bedeutung kultureller oder ritueller Praktiken für die chinesische Identität und definierten das Wesen der chinesischen Zivilisation und ihre vermeintliche Überlegenheit neu.
Die wichtigsten Fragen, die auf dem Spiel standen, betrafen die Akzeptanz des intellektuellen Pluralismus in einer chinesischen Gesellschaft und die Bedeutung konfuzianischer moralischer Werte für die Integrität und Kontinuität des chinesischen Staates. Durch eine genaue Betrachtung der Kontexte und der sich verändernden geopolitischen Realitäten, in denen neue Interpretationen der Identität entstanden, setzt sich diese Geistesgeschichte mit den laufenden Debatten über die Bedeutung der Konzepte von Kultur, Nation und Ethnizität für das vormoderne China auseinander.