Bewertung:

Das Buch über Literaturtheorie von Charles Altieri hat gemischte Kritiken erhalten. Einige schätzen die Rückkehr zur Ästhetik und die Erforschung des „Wertens“ in der Erfahrung des Lesers und loben Altieris Einsichten und literarische Beispiele. Andere jedoch finden den Text unorganisiert und unklar, kritisieren, dass er an Klarheit und Kohärenz verliert, und vergleichen ihn ungünstig mit seiner früheren Arbeit über Wallace Stevens.
Vorteile:⬤ Aufschlussreicher Umgang mit der Ästhetik
⬤ durchdachte Erkundung des „Wertens“ in der Literatur
⬤ gut gewählte literarische Beispiele von Autoren wie Shakespeare und Yeats.
⬤ Unorganisiertes und inkohärentes Schreiben
⬤ mangelnde Klarheit
⬤ intellektuell unredlich
⬤ Sätze sind unklar
⬤ schlechte Argumentation
⬤ nicht so stark wie Altieris frühere Arbeiten.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
Reckoning with the Imagination: Wittgenstein and the Aesthetics of Literary Experience
Ein großer Teil der aktuellen Literaturtheorie versucht, unseren Sinn für ästhetische Werte beim Lesen zu erneuern. Das gilt für den neuen Formalismus ebenso wie für die jüngsten Appelle an den Begriff des "Oberflächenlesens".
Charles Altieri hat zwar Verständnis für diese Bemühungen, ist aber der Meinung, dass sie letztlich zu kurz greifen, weil sie zu oft die Werte außer Acht lassen, die literarische Texte in der sozialen Welt vermitteln. In Reckoning with the Imagination plädiert Altieri für eine Rückbesinnung auf die kantische Tradition der idealistischen Ethik, die seiner Meinung nach den Argumenten für die Rolle der Ästhetik in der Kunst viel von ihrer Kraft zurückgeben kann. Altieri findet eine Perspektive für diese Wiederherstellung in einer Lektüre von Wittgensteins späterem Werk, die Wittgensteins parallele Kritik am Geist des Empirismus hervorhebt.
Altieri beginnt mit einer Phänomenologie der Imagination, denn wir können die Kunst nicht voll würdigen, wenn wir sie nicht mit einer besonderen, sozial produktiven Kraft verbinden. Diese Kraft zeigt sich in zwei ganz unterschiedlichen, aber gleichermaßen kraftvollen Realisierungen in seiner Lektüre von John Ashberys "Instruction Manual", das explizit ein Modell für eine postromantische Sicht der Imagination entwirft, und William Butler Yeats' "Leda and the Swan".
Anschließend wendet er sich Wittgenstein mit Kapiteln über die Rolle der Darstellung als Kritik des aufklärerischen Denkens, die Würdigung von Eigenschaften wie Sensibilität und die Fähigkeit, sich auf die Handlungen anderer einzustellen, die Rolle des Ausdrucks bei der Erstellung von Modellen und den Gegensatz zwischen ethischen und konfessionellen Urteilsweisen zu. Schließlich entwirft Altieri sein eigenes Modell der ästhetischen Erfahrung als partizipatorische Bewertung und führt ein ausführliches Argument für die soziale Bedeutung der Wertschätzung als Weg aus den Ressentimentmustern an, die unserer heutigen Politik zugrunde liegen.
Reckoning with the Imagination ist ein meisterhaftes Werk eines unserer führenden Literatur- und Philosophietheoretiker, das den laufenden Debatten über den Wert der ästhetischen Erfahrung neues Leben einhauchen wird.