
The Evolution of Mathematics: A Rhetorical Approach
Unter Forschern in den Geistes- und Sozialwissenschaften wächst das Bewusstsein für die rhetorische Kraft des mathematischen Diskurses - sei es in Bezug auf die Wahlkreiseinteilung, Gesichtserkennungstechnologien oder rassistische Vorurteile in der algorithmischen Automatisierung. Dieses Buch schlägt einen neuen Weg vor, sich mit Mathematik zu beschäftigen und sie zu verstehen, und zwar über einen theoretischen Rahmen, der aufzeigt, wie Mathematik die sozial-materielle Welt verändert.
In dieser Studie wendet G. Mitchell Reyes eine zeitgenössische rhetorische Analyse auf den mathematischen Diskurs an und stellt die allgemein verbreitete Ansicht in Frage, dass Mathematik gleich Wahrheit ist. Indem er die Mathematik im historischen Kontext untersucht, zeichnet Reyes ihre Entwicklung von Platons Lehre über abstrakte Zahlen bis zur euklidischen Geometrie und der Entstehung der Infinitesimalrechnung, der imaginären Zahlen und der Algorithmen nach. Diese Geschichte zeigt, dass mathematische Innovationen immer auf rhetorische Praktiken der Bedeutungserstellung wie Analogie, Metapher und Erfindung angewiesen waren. Die Mathematik ist weit davon entfernt, eine tief in der Realität verborgene Wahrheit auszudrücken, sondern sie ist dynamisch und entwickelt sich weiter und formt die Realität und unsere Erfahrung mit ihr.
Indem er die Mathematik in die materiell-soziale Welt zurückholt, ermöglicht Reyes den Wissenschaftlern der Rhetorik und Soziologie von Wissenschaft, Technologie und Mathematik, mit den Mathematikern selbst zusammenzuarbeiten, um unsere materielle Welt und öffentliche Kultur besser zu verstehen.