
The Ethics of Autobiography: French Women Writers at the Fin de Siecle
In diesem neuen Buch schlägt Angel Loureiro eine Ethik der Autobiografie vor, die die Wahrnehmung dieses Genres verändern wird. Bisherige Studien zur Autobiografie haben sich vor allem auf die Strategien der Selbsterkenntnis oder der Selbsterschaffung konzentriert, die im Schreiben über sich selbst zum Ausdruck kommen. Diese Betonung der Erkenntnis lässt viele Fragen unbeantwortet, so Loureiro, denn eine grundlegende Dimension des Genres, die er die Ethik der Autobiographie nennt, ist bisher der kritischen Aufmerksamkeit entgangen.
Um dieses Versäumnis aufzuarbeiten, stützt sich Loureiro sowohl auf seine eigenen Erfahrungen als auch auf ein breites Spektrum früherer theoretischer Arbeiten zur Autobiografie, insbesondere auf die Schriften von Emmanuel Levinas, der davon ausging, dass das Selbst nicht als ein sich selbst darstellendes Bewusstsein beginnt, sondern als Antwort auf eine Ansprache durch den Anderen. Auf dieser Grundlage zeichnet Loureiro dann auf brillante Weise die komplexen Wechselwirkungen zwischen den politischen, diskursiven, rhetorischen und ethischen Dimensionen der Autobiografie nach.
Nachdem Loureiro diese theoretischen Grundlagen dargelegt hat, analysiert er vier der faszinierendsten Autobiografien, die von spanischen Exilanten geschrieben wurden: Das Leben von Joseph Blanco White, der von 1775 bis 1841 lebte, Memoria de la Melancolia von Maria Teresa Leon (1904-1988), Coto vedado und En los reinos de taifa von Juan Goytisolo (geb. 1931) und Literatur oder Leben von Jorge Semprun (geb. 1923). Das Leben dieser Autoren, die alle aus politischen Gründen im Exil lebten, wurde durch einige der wichtigsten Ereignisse auf dem verschlungenen Weg Spaniens zur Moderne und zur Demokratie unterbrochen.
Das Buch schließt mit einer Diskussion darüber, warum es so wenige kritische Untersuchungen von Autobiografien gibt, die im modernen Spanien geschrieben wurden. Loureiro vertritt die These, dass selbst im heutigen Spanien die erdrückenden sozialen und politischen Kräfte die ethische Verantwortung ersticken, die eine wesentliche Voraussetzung für die Erstellung von Autobiografien ist, die es wagen, mehr zu sein als eine langweilige Bestandsaufnahme persönlicher Erinnerungen. Nur im Exil schienen spanische Autoren die Bedingungen zu finden, um ihr Leben in einer wirklich verantwortungsvollen Weise zu schreiben. Diese Antwort auf eine Forderung, die das Subjekt in einem Anderen verankert, ist letztlich die einzige Form der Wahrheit, die in der Autobiographie möglich ist.