
The Ethics of the Lie
Pinocchio weiß es: das unbewusste Wissen um die bewusste Lüge.
Von kleinen Notlügen bis hin zu den tiefsten, dunkelsten Lügen - es ist eine anerkannte Tatsache, dass wir - wie der Junge, der Wolf weinte - sehr oft lügen, mindestens dreimal am Tag. Die These dieses gelehrten und unterhaltsamen Buches ist, dass Lügen wie Paradoxa strukturiert sind. Lügen ist eine weit verbreitete gesellschaftliche Erscheinung, die voller Widersprüche steckt: Wir lügen recht häufig, aber wir hassen Lügner, und wir verabscheuen es vor allem, belogen zu werden. Wir wissen, dass die meisten Politiker lügen, in der Hoffnung, dass sie sozusagen vernünftig lügen, aber wenn sie auf frischer Tat ertappt werden, sind ihre Karrieren ruiniert. Die gemeinsame Wurzel dieser Phänomene geht auf die paradigmatische Figur des Paradoxons zurück: Ich lüge, aber ich sage die Wahrheit, wenn ich sage, dass ich lüge.
In The Ethics of the Lie untersucht Jean-Michel Rabate dieses uralte Problem in einem neuen Licht und beginnt mit einem zeitgenössischen amerikanischen Kontext. Er taucht ein in das Netz der von den Medien gesponnenen Lügen, nimmt die amerikanische Präsidentschaft unter die Lupe, erforscht die Dynamik von Familienlügen und analysiert sogar die Rolle Hollywoods bei der Darstellung dieser Dilemmata. Leben wir in einem Zeitalter, in dem die Desinformation ein solches Ausmaß erreicht hat, dass wir alles, was uns präsentiert wird, als "Tatsache" oder "Nachricht" abtun können? Indem er diese weit verbreitete Skepsis in Frage stellt, dekonstruiert Rabate die Pathologie der Lüge und ihre logischen Mechanismen und führt uns zurück zu den anhaltenden Debatten der großen Philosophen und ihrer philosophischen Grundlagen - Platon, Nietzsche und Aristoteles - und schwört dabei, die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.