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The Faroe Islands: Interpretations of History
Die Färöer-Inseln liegen in einer stürmischen Ecke des Nordatlantiks auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island und sind Teil des "unbekannten Westeuropas" - einer Region mit junger wirtschaftlicher Entwicklung und subnationalen Völkern, deren Zukunft ungewiss ist. Dieses Buch erzählt die bemerkenswerte Geschichte des kulturellen Überlebens der Färöer seit ihrer Besiedlung durch die Wikinger im frühen neunten Jahrhundert.
Zunächst eine widerspenstige kleine Republik, wurden die Inseln bald Norwegen tributpflichtig, zerfielen zu einem dänisch-norwegischen Handelslehen und wurden 1816 zu einer dänischen Provinz. Heute sind die Inseln jedoch eine selbstverwaltete dänische Dependance mit einer florierenden Exportfischerei und einem reichen geistigen Leben, das in der lokalen Sprache, dem Färöischen, geführt wird.
Jonathan Wylie, ein Anthropologe, der umfangreiche Feldforschung auf den Färöern betrieben hat, entwirft hier ein lebendiges Bild des Alltagslebens und der Staatsgeschäfte im Laufe der Jahrhunderte, wobei er sich auf Quellen stützt, die von volkstümlichen Texten bis zu Parlamentsprotokollen und von Volkszählungsdaten bis zu Reiseerzählungen reichen. Er argumentiert, dass die lange wirtschaftliche Stagnation der Färöer eine archaische Lebensweise bewahrte, die durch die wirtschaftliche Renaissance im 19. Jahrhundert ernsthaft bedroht wurde, zumal diese mit einer engeren politischen Eingliederung in Dänemark einherging.
Die Färinger begegneten dem immer tiefgreifenderen sozialen Wandel, indem sie ihr literarisches und historisches Erbe selektiv neu bearbeiteten. Ihr Erfolg hing von der Domestizierung einer dänischen Ideologie ab, die das "Volkstümliche" verherrlichte und so eine von Dänemark getrennte Nationalität beanspruchte. Das Buch schließt mit einem Vergleich der färöischen Nationalität-ohne-Nationalität mit der kontrastreichen Situation ihrer nächsten Nachbarn Island und Shetland.
Die Färöer sind ein wichtiger Beitrag zur Skandinavistik sowie zu regionalen und ethnischen Studien und zur wachsenden Literatur, die die Erkenntnisse und Techniken der Anthropologie und der Geschichte verbindet. Das fesselnd geschriebene und reich bebilderte Buch ist auch für Wissenschaftler anderer Fachrichtungen und für alle, die sich für die Länder und Völker des Nordens interessieren, interessant.