
The Fiction of Occasion in Hellenistic and Roman Poetry
Das Ziel dieses Buches ist es, eine Methode zu entwickeln, um das Problem der Präsenz in der hellenistischen und römischen Dichtung zu lösen. Das Problem der Präsenz, wie es hier definiert wird, ist das Problem der Verfügbarkeit oder Zugänglichkeit der fiktionalen Welten, die von der Poesie offenbart werden, für den Leser.
Von den Hymnen des Kallimachos bis zu den Oden des Horaz fordern die Dichter dieser Epoche den Leser immer wieder heraus, indem sie ihn auffordern, fiktive Räume zu erkunden, die zugleich vertraut und jenseitig sind, Bereiche der Phantasie, die dennoch fest in der gelebten Realität der Dichter und ihrer Zeitgenossen verwurzelt sind. Auch wir können uns bei der Lektüre dieser Gedichte gleichzeitig in eine andere Welt versetzt fühlen und von der Ansprache des Gedichts im Hier und Jetzt der Lektüre ergriffen werden. Die Fiktion des Anlasses wird als neues konzeptuelles Werkzeug vorgeschlagen, um zu verstehen, wie diese Gedichte solche problematischen Gegenwarten erzeugen und welche Arten von Erfahrungen sie ihren Lesern ermöglichen.
Die Fiktion des Anlasses wird als ein Phänomen definiert, bei dem ein Gedicht fiktiv als Teil eines materiellen Ereignisses oder "Anlasses" gestaltet wird, mit dem der Leser eingeladen wird, sich durch das Medium der Sinne zu beschäftigen.
Das Buch untersucht dieses Konzept anhand der Lektüre von Schlüsselautoren aus dem Korpus der Ich-Dichtung, die zwischen dem 3. Jahrhundert v.
Chr. und dem 1. Jahrhundert n.
Chr. in griechischer und lateinischer Sprache verfasst wurden, wobei der Schwerpunkt auf Kallimachus, Bion, Catull, Propertius und Horaz liegt. Das Ziel dieser Lektüre ist es, ein neues Vokabular zu entwickeln, um die antike Dichtung als eine verkörperte Erfahrung zu begreifen.