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The Flip Wilson Show
Als die Flip Wilson Show 1970 auf NBC ihr Debüt gab, waren zwar die wichtigsten legislativen Erfolge der Bürgerrechtsbewegung errungen worden, aber der Rundfunk war noch lange nicht integriert. Es gab zwar eine Handvoll Sendungen mit schwarzen Hauptdarstellern, aber keine davon hatte die Spitzenposition in den Nielsen-Einschaltquoten erreicht. 1971 jedoch war Wilsons "altmodische" Comedy-Varieté-Stunde ein echter Hit, und im Januar 1972 erklärte das Time Magazine Wilson zu "TV's First Black Superstar". In diesem Band untersucht Meghan Sutherland, wie sich die Flip Wilson Show in dem unbeständigen rassischen und wirtschaftlichen Umfeld der frühen 1970er Jahre durchsetzen konnte und wie ihr Erfolg die vorherrschenden Codes der schwarzen Darbietung und des politischen Diskurses im Fernsehen prägte.
Insbesondere untersucht Sutherland die Ambivalenz, die die Diskussionen über Wilsons ausgefallenen Aufführungsstil durchzieht - Diskussionen, die im Allgemeinen die Frage, ob seine Figuren die Stereotypen der Minstrelsy auf die Schippe nahmen oder einfach nur wiederholten, als ein Problem für die Rezeptionsforschung behandeln. Sutherland argumentiert, dass diese Ambivalenz die Grundlage für die große Anziehungskraft der Show war und daher eher als ästhetische Strategie denn als bloßer Effekt der unterschiedlichen Interpretationen durch die Zuschauer verstanden werden muss. In diesem Sinne behauptet sie, dass Wilson die nicht-naturalistische Ästhetik der Varieté-Performance nutzte, um eine Kritik an den realistischen" Ethnie-Sitcoms der damaligen Zeit einerseits und am Diskurs der authentischen Männlichkeit, der mit dem Aufstieg der Black Power einherging, andererseits zu üben. Schließlich betrachtet sie, wie die Show ihr integriertes Studiopublikum nutzte, um die Wiederherstellung eines großen, glücklichen Fernsehpublikums nach den sozialen, rassischen und politischen Umwälzungen der späten 1960er Jahre zu inszenieren.
Die Flip Wilson Show ist die detaillierteste Studie über Wilsons Varieté-Show in ihrem kulturellen und institutionellen Kontext. Der Band beleuchtet die Merkmale des Varieté-Genres, die es auch heute noch zu einem beliebten Medium für den politischen Diskurs in unruhigen gesellschaftlichen Zeiten machen. Auf diese Weise bietet er einen neuen Ansatz zum Verständnis der anhaltenden Bedeutung des Varieté-Genres für schwarze Komiker - von Richard Pryor über die Wayans Brothers bis zu Dave Chappelle - und für das Fernsehen im Allgemeinen. Film- und Fernsehwissenschaftler werden diese neueste Ergänzung der TV Milestones Series zu schätzen wissen.