Bewertung:

Das Buch ist eine bedeutende Untersuchung des historischen Kontextes hinter den Konzepten der Euthanasie und den Ideologien, die zum Holocaust beigetragen haben. Es bietet tiefe Einblicke in die Essays von Binding und Hoche und zeigt beunruhigende Zusammenhänge mit den heutigen Praktiken und Überzeugungen in Bezug auf den Wert des menschlichen Lebens auf, insbesondere was psychisch Kranke und Behinderte betrifft. Auch wenn manche die Übersetzung als unzureichend empfinden, so sind die Kernaussagen doch nachhallend und provozierend.
Vorteile:⬤ Bietet einen wichtigen historischen Kontext für das Verständnis vergangener und gegenwärtiger politischer Ideologien.
⬤ Bietet eine überzeugende Analyse der moralischen Rechtfertigungen für Euthanasie und Vernachlässigung.
⬤ Die Einführung von Anthony Horvath verleiht der modernen Diskussion über Euthanasie wissenschaftliche Tiefe und Relevanz.
⬤ Behandelt tiefgreifende Themen, die in der heutigen Gesellschaft nachhallen, was es zu einer unverzichtbaren Lektüre für alle macht, die sich für Ethik und Geschichte interessieren.
⬤ Die Qualität der Übersetzung wird oft als schlecht oder schwerfällig kritisiert, was die Lesbarkeit beeinträchtigt.
⬤ Einige Leser finden die dargelegten Argumente erschreckend oder schwer verdaulich.
⬤ Enthält komplexe Ideen, die für ein allgemeines Publikum schwierig sein können.
⬤ Die Art des Themas ist beunruhigend, was einige potenzielle Leser abschrecken könnte.
(basierend auf 12 Leserbewertungen)
Allowing the Destruction of Life Unworthy of Life: Its Measure and Form
Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Deutschen systematisch deutsche Mitbürger töteten, bevor sie Juden, Zigeuner und Dissidenten töteten. Bei der "Aktion T4" handelte es sich um ein medizinisches Programm, bei dem behinderte und psychisch kranke Menschen in aller Stille zur Vernichtung gebracht wurden.
Deutsche jeden Alters waren die Zielscheibe. Hunderttausende erhielten eine "Behandlung". Noch weniger Menschen wissen, dass die philosophischen Grundlagen für die Aktionen der Nazis viele Jahre zuvor gelegt wurden, noch bevor die nationalsozialistische Partei gegründet wurde.
In einer nüchternen, akademischen Diskussion vertraten die Professoren Karl Binding und Alfred Hoche die Auffassung, dass es "lebensunwertes Leben" gebe und dass es zum Wohle der Gesellschaft und in der Tat aus Mitleid mit den wertlosen Individuen ethisch vertretbar sei, solche Menschen zu töten. Das Buch von Binding und Hoche war ein Wendepunkt in der deutschen Kultur und diente als Katalysator für das T4-Programm, das wiederum ein Vorläufer des Holocausts war.
In dieser neuen Übersetzung von Dr. Cristina Modak, die vom Policy Intersections Research Center in Auftrag gegeben wurde, können die Leser die philosophische Grundlage untersuchen, auf die sich die deutschen Ärzte in den 1920er und 1930er Jahren stützten.
Ein Vorwort der Direktorin des PIRC regt den Leser dazu an, darüber nachzudenken, wie weit die moderne Medizinethik von den Argumenten Binding und Hoches entfernt ist.