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The Futurist Files: Avant-Garde, Politics, and Ideology in Russia, 1905-1930
Der Futurismus war die erste Avantgarde-Bewegung in Russland. Jahrhunderts in die russische Öffentlichkeit ein.
Die Bewegung forderte die Zerstörung alles Alten, damit die Vergangenheit die Schaffung einer neuen, modernen Gesellschaft nicht behindern konnte. In den folgenden zwei Jahrzehnten verfolgten die Protagonisten des russischen Futurismus ihr Ziel, die menschliche Erfahrung durch radikale Kunst zu modernisieren. Der Erfolg dieser Mission ist seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Debatten.
Kritiker haben den russischen Futurismus oft als Ausdruck utopischer Tagträume junger Künstler bezeichnet, die unrealistische Visionen von der sowjetischen Gesellschaft hatten und die politische Agenda der Bolschewiki nicht richtig verstanden. Indem sie die politische und ideologische Entwicklung des russischen Futurismus zwischen 1905 und 1930 nachzeichnet, stellt Iva Glisic diese Sichtweise in Frage und zeigt, dass der Futurismus einen kalkulierten und systematischen Ansatz für seine zeitgenössische soziopolitische Realität verfolgte.
Dieser Ansatz ermöglichte es den russischen Futuristen schließlich, eine einzigartige künstlerische Praxis zu entwickeln, die später zu einem integralen Bestandteil des eindeutig sowjetischen Kulturparadigmas werden sollte. Auf der Grundlage einer einzigartigen Kombination aus Archivmaterial und einem theoretischen Rahmen, der von den Werken von Philosophen wie Lewis Mumford, Karl Mannheim, Ernst Bloch, Fred Polak und Slavoj Zizek inspiriert wurde, stellt The Futurist Files die Futuristen nicht als verblendete Idealisten dar, sondern vielmehr als aktive und umsichtige Teilnehmer an dem größeren Projekt der Schaffung eines modernen sowjetischen Bewusstseins.
Diese faszinierende Studie erinnert daran, dass radikale Ideen zwar oft als utopisch und unmöglich abgetan werden, dass sie jedoch eine entscheidende Rolle bei der Förderung des sozialen Wandels spielten - und spielen können. Sie wird für Kunsthistoriker, Kulturhistoriker, Wissenschaftler und Studenten der russischen Geschichte von Interesse sein.