Bewertung:

Die Geburt des Fegefeuers von Jacques le Goff bietet eine eingehende historische Analyse der Entwicklung des Konzepts des Fegefeuers im mittelalterlichen Christentum und untersucht seine kulturellen, theologischen und sozialen Auswirkungen. Le Goff zeichnet die Entwicklung des Fegefeuers vom antiken Glauben über verschiedene Einflüsse in der mittelalterlichen Gesellschaft nach und integriert es schließlich in die katholische Lehre und seine Bedeutung im Leben der Gläubigen. Während viele Leser das Buch faszinierend und gründlich recherchiert finden, äußern einige ihre Unzufriedenheit mit der Tiefe des Engagements bei bestimmten Themen.
Vorteile:⬤ Gründlich recherchierte und gut dokumentierte historische Analyse des Fegefeuers.
⬤ Bietet Einblicke in den kulturellen und theologischen Kontext des mittelalterlichen Glaubens.
⬤ Zugänglicher und ansprechender Schreibstil, daher für ein breites Publikum geeignet.
⬤ Verknüpft erfolgreich die Entwicklung des Fegefeuers mit den gesellschaftlichen und religiösen Veränderungen des Mittelalters.
⬤ Spricht sowohl Gelehrte als auch religionsgeschichtlich interessierte Laien an.
⬤ Einige Leser sind der Meinung, dass es dem Buch an Tiefe fehlt, wenn es das Fegefeuer mit breiteren soziokulturellen Kontexten verbindet.
⬤ Es gibt Vorwürfe der Voreingenommenheit, wobei einige von Le Goffs Darstellung der Ursprünge der Doktrin ablenken.
⬤ Einige Rezensenten finden, dass das Buch zu breit gefächert ist und es ihm in bestimmten Bereichen an Fokus fehlt.
⬤ Es wird kritisiert, dass die finanziellen Beweggründe im Zusammenhang mit dem Ablasshandel überbetont werden.
⬤ Für manche Leser sind Vorkenntnisse in Theologie und mittelalterlicher Geschichte erforderlich.
(basierend auf 12 Leserbewertungen)
The Birth of Purgatory
In Die Geburt des Fegefeuers geht es Jacques Le Goff, dem brillanten Mediävisten und renommierten Historiker der Annales, nicht um eine theologische Diskussion, sondern um die Entwicklung einer Idee, um das Verhältnis zwischen Glaube und Gesellschaft, um mentale Strukturen und um die historische Rolle der Phantasie.
Le Goff argumentiert, dass die Lehre vom Fegefeuer in der lateinischen Theologie des Westens nicht vor dem späten zwölften Jahrhundert auftaucht, dass es das Wort purgatorium bis dahin nicht gab. Er zeigt, dass die Entwicklung des Glaubens an einen Zwischenort zwischen Himmel und Hölle eng mit tiefgreifenden Veränderungen in der sozialen und geistigen Realität des Mittelalters verbunden war.
Le Goff stützt sich dabei auf eine Fülle von Archivmaterial, von dem er einen großen Teil zum ersten Mal übersetzt hat, und lädt den Leser ein, Belege aus den Schriften großer, obskurer oder anonymer Theologen zu prüfen.