Bewertung:

Das Buch bietet eine eingehende Analyse des Patriarchats und der Geschlechterrollen im kolonialen Mexiko und stellt dar, wie diese Systeme die menschlichen Beziehungen und die Gesellschaft als Ganzes beeinflussten. Es untersucht verschiedene Aspekte des Patriarchats und beleuchtet seine Auswirkungen auf Klasse, Politik und zwischenmenschliche Beziehungen zwischen den Geschlechtern.
Vorteile:⬤ Unglaubliche Forschung und Analyse der Geschlechterdynamik in historischen Kontexten
⬤ liefert konkrete Beispiele realer Familien
⬤ untersucht das Patriarchat als dynamisches und instabiles System und nicht als statische Unterdrückungsstruktur
⬤ nützlich für das Verständnis der Überschneidungen von Geschlecht, Klasse und Macht.
Kann aufgrund der zahlreichen Beispiele und Statistiken überwältigend sein; eignet sich möglicherweise nicht für Leser, die eher breitere soziale Analysen als eine konzentrierte Untersuchung von Geschlecht bevorzugen.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
The Secret History of Gender: Women, Men, and Power in Late Colonial Mexico
In dieser Studie über die Geschlechterbeziehungen im spätkolonialen Mexiko (ca. 1760-1821) analysiert Steve Stern die historischen Zusammenhänge zwischen Geschlecht, Macht und Politik im Leben von Bauern, Indianern und anderen marginalisierten Bevölkerungsgruppen.
Anhand von Vignetten aus dem Alltagsleben hinterfragt er Annahmen über Geschlechterbeziehungen und politische Kultur in einer patriarchalischen Gesellschaft. Er reflektiert auch über Kontinuität und Wandel zwischen der späten Kolonialzeit und der Gegenwart und schlägt ein Paradigma für das Verständnis ähnlicher Kämpfe um Geschlechterrechte in Gesellschaften des alten Regimes in Europa und Amerika vor. Stern verfolgt drei Hauptargumente.
Erstens zeigt er, dass nicht-elitäre Frauen und Männer konkurrierende Modelle legitimer geschlechtlicher Autorität entwickelten und dass diese Unterschiede erbitterte Kämpfe um geschlechtliche Rechte und Pflichten auslösten. Zweitens zeigt er in Sprache und sozialer Dynamik Zusammenhänge zwischen Auseinandersetzungen um legitime Autorität in häuslichen und familiären Angelegenheiten und Auseinandersetzungen in den Arenen der kommunalen und staatlichen Macht auf.
Das Ergebnis ist eine neue Interpretation der geschlechtsspezifischen Dynamik von bäuerlicher Politik, Gemeinschaft und Aufruhr. Drittens untersucht Stern die regionalen und ethnokulturellen Unterschiede und stellt fest, dass seine Analyse über bestimmte Orte und ethnische Untergruppen in Mexiko hinausgeht.
Die historischen Argumente und die konzeptionelle Breite von Sterns Buch sind nicht nur für Studierende der mexikanischen und lateinamerikanischen Geschichte interessant, sondern auch für Studierende der Geschlechterforschung im Westen und in anderen Regionen der Welt.