Bewertung:

Das Buch bietet eine einzigartige Perspektive auf das Zeichnen aus der Sicht eines Nicht-Künstlers, der die Zeichnungspraxis durch die Brille der Psychoanalyse kritisch untersucht. Allerdings fehlt es an visuellen Hilfsmitteln, was einige Leser, die einen Kontext für die besprochenen Künstler und Methoden suchen, frustrieren könnte.
Vorteile:⬤ Einzigartige nicht-künstlerische Perspektive
⬤ relevante Einblicke in Zeichenmethoden, Geschichte und Kulturen
⬤ engagierte kritische Analyse
⬤ überzeugende Konzepte wie „automatisches“ Zeichnen.
⬤ Es fehlen Bilder, was es schwierig macht, die besprochenen Künstler zu visualisieren
⬤ einige Leser fanden es frustrierend, auf externe Bilder zu verweisen
⬤ die kleine Schrift kann beim Lesen anstrengend sein.
(basierend auf 6 Leserbewertungen)
Line Let Loose: Scribbling, Doodling and Automatic Drawing
Das Kritzeln ist die grundlegendste Form des Zeichnens: Man geht davon aus, dass es eine prägende Rolle bei den Zeichnungen von Kindern und Primaten spielt. Kritzeln ist zwar immer noch ein weit verbreitetes Phänomen, ist aber weitgehend eine Beschäftigung von Erwachsenen - eine nomadische Form des Zeichnens, die typischerweise während Sitzungen und Telefonaten entsteht.
Aber auch wenn diejenigen, die sich damit beschäftigen, nicht unbedingt ausgebildete Künstler sind, ist das automatische Zeichnen ein dramatischeres Ereignis, und die Ergebnisse eines geistesabwesenden oder tranceartigen Zustands sind manchmal erstaunlich. Aufgrund ihres amateurhaften und spontanen Charakters wurden alle drei Formen des Zeichnens von modernen Künstlern übernommen, die den Zwängen ihres professionellen Könnens entkommen wollten. In Line Let Loose zeigt David Maclagan, dass jede dieser marginalen Formen der Zeichnung ihre eigene Geschichte im Spiritualismus, Surrealismus, abstrakten Expressionismus und in der psychedelischen Kunst hat.
Anhand von Klee, Pollock, Miro, Twombly und LeWitt sowie vielen weniger bekannten oder anonymen Künstlern zeichnet er die Verbindungen zwischen ihnen und einer weit verbreiteten Vorstellung von der spontanen und „unbewussten“ Entstehung von Formen in der Kunst nach. Er geht davon aus, dass die ursprüngliche Neuartigkeit dieser unkonventionellen Zeichenverfahren allmählich nachlässt, und er untersucht ihre neue Situation in unserer modernen digitalen Kultur.