Bewertung:

Das Buch bietet eine aufschlussreiche Erkundung der indischen Eisenbahnen, wobei es eine ausgewogene Studie der operativen Systeme und eine anthropologische Perspektive der beteiligten Menschen bietet. Obwohl es erfolgreich eine Wissenslücke über das Innenleben der indischen Eisenbahnen schließt, weist es einige Mängel auf, insbesondere in Bezug auf den sich wiederholenden Inhalt und die groben Verallgemeinerungen.
Vorteile:⬤ Bietet eine detaillierte Studie über das System, die Ursprünge und den Betrieb der indischen Eisenbahnen.
⬤ Kombiniert eine anthropologische Studie über die Belegschaft, die einzigartige Einblicke gewährt.
⬤ Fesselnd für Eisenbahnliebhaber und -freunde, enthüllt bisher verborgene Aspekte der Organisation.
⬤ Der Autor versäumt es oft, zwischen den Merkmalen der indischen Eisenbahnen und den allgemeinen Merkmalen der Regierung zu unterscheiden.
⬤ Sich wiederholende Ereignisse führen zu Redundanz ohne neue Erkenntnisse.
⬤ Überbetonung von Anglo-Indern, deren Erfahrungen nicht den durchschnittlichen Bahnangestellten repräsentieren.
⬤ Soziologische Fragen werden durch den engen Rahmen von 'jati' und 'desh' übermäßig vereinfacht.
(basierend auf 1 Leserbewertungen)
Lines of the Nation: Indian Railway Workers, Bureaucracy, and the Intimate Historical Self
Lines of the Nation stellt die Geschichte der indischen Eisenbahnen, die lange Zeit als Träger von Modernität und wirtschaftlichem Wohlstand galten, grundlegend neu dar. Vom Design der Waggons über die Architektur der Bahnhöfe bis hin zu den Beschäftigungshierarchien und dem Bau von Angestelltenwohnungen untersucht Laura Bear die neuen öffentlichen Räume und sozialen Beziehungen, die durch die Eisenbahnbürokratie geschaffen wurden. Anschließend zeichnet sie deren Einfluss auf die Herausbildung des zeitgenössischen indischen Nationalismus, persönlicher Gefühle und der Erinnerung der Bevölkerung nach. Ihre gründliche Studie stellt festgefahrene Vorstellungen über die Institutionen der Moderne und des Kapitalismus in Frage, indem sie zeigt, dass diese ältere Idiome sozialer Distinktion überarbeiten und durch Formen intimer, affektiver Politik legitimiert werden.
Auf der Grundlage historischer und ethnografischer Forschungen in der Unternehmensstadt Kharagpur und im Hauptquartier der Eastern Railway in Kolkata (Kalkutta) untersucht Bear, wie politische und häusliche Praktiken unter den Arbeitern mit den Moralvorstellungen und Archivierungstechnologien der Eisenbahnbürokratie verwoben wurden, und beleuchtet die Auswirkungen dieser Geschichte bis heute. Die Bürokratie hat eine zentrale Rolle bei der Schaffung von Idiomen der Familiengeschichte, der Verwandtschaft und der Ethik gespielt, und ihre besondere Kategorisierung der anglo-indischen Arbeiter wirkt immer noch nach. Die Anglo-Inder wurden durch die rassistische Beschäftigungs- und Wohnungspolitik der Raj-Ära zu einer separaten Eisenbahnkaste gemacht, und andere Eisenbahner betrachten sie nach wie vor als Überbleibsel der kolonialen Vergangenheit und als belastenden Einfluss.
Die Erfahrungen der Anglo-Inder, die im Mittelpunkt der Ethnografie stehen, zeigen die Folgen der Versuche, politische Gemeinschaften durch Familienlinien und -gefühle zu legitimieren. Ihre Situation zwingt uns auch dazu, die Bedeutung dokumentarischer Praktiken und des Nationalismus für alle Familiengeschichten und das Gefühl der Verwandtschaft neu zu überdenken. Diese interdisziplinäre anthropologische Geschichte wirft nicht nur ein neues Licht auf die imperiale und nationale Vergangenheit Südasiens, sondern auch auf das moralische Leben der heutigen Technologien und wirtschaftlichen Institutionen.