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The Patrons and Their Poor: Jewish Community and Public Charity in Early Modern Germany
Eine schwangere Mutter, eine erkrankte Lehrerin, ein dreißigjähriger obdachloser Dieb, Flüchtlinge aus kriegszerstörten Gemeinden, Waisen, Witwen, geistig Behinderte und Hausangestellte. Was diese unterschiedlichen Personengruppen - die in einer Vielzahl von handschriftlichen und gedruckten Quellen in deutscher, hebräischer und jiddischer Sprache erwähnt werden - gemeinsam hatten, war ihre Bitte an die frühneuzeitlichen jüdischen Gemeinden um Hilfe.
Die Verwalter der Armenfürsorge, die mit einer Vielzahl von Anträgen und einem begrenzten Gemeindehaushalt konfrontiert waren, mussten entscheiden, wer mit wie viel Geld unterstützt wurde und wer nicht. Damals wie heute, so Debra Kaplan, verrät uns die öffentliche Wohltätigkeit sowohl etwas über die Geber als auch über die Empfänger, sie offenbart die Werte, die Wahrnehmungen, die Rollen in der Gesellschaft und die Dynamik der Macht, die zwischen den Gebern und den Empfängern bestand. In The Patrons and Their Poor (Die Mäzene und ihre Armen) bietet Kaplan die erste umfassende Analyse der jüdischen Armenfürsorge in deutschen Städten der Frühen Neuzeit, wobei er sich auf drei große städtische aschkenasische jüdische Gemeinden im westlichen Teil des Heiligen Römischen Reiches konzentriert: Altona-Hamburg-Wandsbek, Frankfurt am Main und Worms.
Sie zeigt, wie jüdische Wohltätigkeitseinrichtungen zunehmend formalisiert wurden, als die jüdischen Behörden mit einer wachsenden Zahl von Hilfesuchenden und begrenzten Ressourcen konfrontiert waren. Kaplan untersucht die Überschneidungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, von wohlhabenden Mäzenen bis hin zu den heimat- und staatenlosen Armen, und zeichnet so ein intimes Porträt der frühneuzeitlichen aschkenasischen Gemeinde.