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The Merovingians: Kingship, Institutions, Law, and History
Die hier versammelten Studien erstrecken sich über einen Zeitraum von etwa 33 Jahren, von 1986 bis 2019, und stellen ein nachhaltiges Bemühen dar, die Institutionen des merowingischen Reiches und seine Geschichte zu verstehen. Lange Zeit war man geneigt, die Merowingerzeit in die dunklen Farben der Barbarei zu tauchen oder sie mit Blick auf persönliche Beziehungen und archaische Institutionen zu behandeln. Der vorliegende Band hingegen erkennt die merowingische Welt nicht als archaischen, primitiven Eingriff in die mediterrane Zivilisation des Römischen Reiches an, sondern einfach als Teil des größeren Gemeinwesens, das vor der Auflösung des westlichen Imperialsystems existierte und nach diesem bestehen blieb; damit dient er dazu, die wissenschaftliche Tendenz zu widerlegen, die merowingische Herrschaft, die ihr zugrunde liegenden Institutionen und die breitere Kultur, auf der diese beruhten, zu primitivisieren.
Die Sammlung ist in vier Teile gegliedert. Teil I befasst sich mit der Frage, ob das merowingische Königtum als eine Art archaisches, "sakrales" Königtum betrachtet werden sollte. Teil II, Institutionen, enthält Kapitel zu verschiedenen Ämtern (grafio und centenarius), zu öffentlichen Einrichtungen (insbesondere Immunität und öffentliche Sicherheit) und zum allgemeinen Aufbau des merowingischen Staatssystems. Teil III über Urkunden, Verfahren und Recht enthält Kapitel über das Profil der Urkundenbeweise, wie sie jetzt in der neuen MGH-Ausgabe der merowingischen Diplome präsentiert werden, und ein Kapitel über besondere Verfahren vor dem königlichen Tribunal, die in der Forschung fälschlicherweise als "fiktive" Prozesse bezeichnet werden; ein letztes Kapitel enthält Überlegungen zum Recht im Allgemeinen der Nachfolgekönigreiche und einen grundlegenden Leitfaden für dieses Recht, mit Blick auf die Beweise im merowingischen Gallien. Teil IV befasst sich mit der Geschichtsschreibung, sowohl mit der modernen (Reinhard Wenskus) als auch mit der merowingischen (Gregor von Tours). Alle Kapitel befassen sich ausgiebig mit der Geschichtsschreibung ihrer Themen.
Das Buch richtet sich an Studierende und Wissenschaftler, die sich für die europäische Geschichte des frühen Mittelalters, die Geschichte der Merowinger, das Recht und die Gesellschaft des frühen Mittelalters, die frühmittelalterliche Geschichtsschreibung und den Einfluss des merowingischen Rechts und der merowingischen Herrschaft auf spätere Jahrhunderte interessieren.