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The Neoliberal Diet: Healthy Profits, Unhealthy People
Warum werden die Menschen in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus immer dicker? Die gängigsten Erklärungen besagen, dass die Menschen einfach zu viel „energiereiche“ Lebensmittel essen und sich zu wenig bewegen. Würde man die Chips und Limonaden gegen Obst und Gemüse austauschen und sich mehr bewegen, wäre das Problem gelöst.
Im Gegensatz dazu wird in The Neoliberal Diet argumentiert, dass die zunehmende Fettleibigkeit nicht nur auf die individuellen Ernährungs- und Lebensstilentscheidungen zurückzuführen ist. Seit den 1980er Jahren hat die neoliberale Wende in Politik und Praxis die Liberalisierung des Handels und den Abbau des Wohlfahrtssystems gefördert, zusammen mit fortgesetzten Agrarsubventionen in den reichen Ländern. Die neoliberale Regulierung hat es den multinationalen Agrarkonzernen ermöglicht, durch den Verkauf von stark verarbeiteten Lebensmitteln, die mit raffiniertem Mehl und Zucker angereichert sind - eine Ernährungsweise, die ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten hat -, sowie von Fleisch zu florieren.
Auf der Grundlage umfangreicher empirischer Daten zeigt Gerardo Otero die sozioökonomischen und politischen Kräfte auf, die diese Ernährung hervorgebracht haben, die rund um den Globus exportiert wurde, oft auf Kosten der Gesundheit der Menschen. Otero zeigt, wie staatliche Maßnahmen, insbesondere Subventionen für Großbetriebe und die Agrarindustrie, die Dominanz von verarbeiteten Lebensmitteln sichergestellt und den Zugang zu gesunden frischen Lebensmitteln für viele unzugänglich gemacht haben.
Er vergleicht die Leistungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in verschiedenen Ländern, darunter auch in der NAFTA-Region, und setzt den Zugang zu Lebensmitteln mit der Ungleichheit zwischen den Bevölkerungsschichten in Beziehung. So zeigt er überzeugend den strukturellen Charakter der Lebensmittelproduktion und die Auswirkungen der Ungleichheit auf die individuelle Lebensmittelauswahl.
Otero kommt zu dem Schluss, dass die Lösung der globalen Adipositas-Krise nicht darin besteht, den Einzelnen zu beschuldigen, sondern darin, auf staatlicher Ebene Programme zu schaffen, die die Ungleichheit verringern und gesündere Lebensmittel für alle zugänglich machen.