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The Philosophy of 'As If'
Hans Vaihinger (1852-1933) war eine wichtige und faszinierende Figur in der deutschen Philosophie des frühen zwanzigsten Jahrhunderts und gründete die bekannte Zeitschrift Kant-Studien. Dennoch stand er im Schatten der aufkeimenden Bewegungen der Phänomenologie und der analytischen Philosophie sowie der Feindseligkeit gegenüber seiner Arbeit aufgrund seiner Verteidigung jüdischer Gelehrter in einem vom Nationalsozialismus kontrollierten Deutschland.
Dennoch wird heute allgemein anerkannt, dass die Philosophie des "Als ob" ein philosophisches Meisterwerk ist. Vaihinger argumentiert, dass wir angesichts einer überwältigend komplexen Welt einfachere Vorstellungen oder Idealisierungen entwickeln, die uns helfen, sie zu bewältigen. In Form von Fiktionen bieten solche Vorstellungen eine einfachere und nützlichere Möglichkeit, über bestimmte Themen - von Mathematik und Physik bis hin zu Recht und Moral - nachzudenken, als es die Wahrheit in ihrer ganzen Komplexität tun würde. Selbst in der Wissenschaft, so schreibt er, müssen wir so vorgehen, "als ob" eine materielle Welt unabhängig von den wahrnehmenden Subjekten existiert; im Verhalten müssen wir so handeln, "als ob" ethische Gewissheit möglich wäre; in der Religion müssen wir glauben, "als ob" es einen Gott gäbe. Er untersucht auch die Rolle von Fiktionen in der Geschichte der Philosophie, die bis zu den alten Griechen und den Arbeiten von Leibniz, Adam Smith und Bentham zurückreicht.
Die Philosophie des "Als ob" hatte einen starken Einfluss auf die aufkommende philosophische Bewegung des Pragmatismus und war bahnbrechend in seiner Vorwegnahme der zentralen Rolle, die Modellbildung und Simulation in den Humanwissenschaften spielen würden.
Diese Ausgabe der Routledge Classics enthält ein neues Vorwort von Michael A. Rosenthal, das einen faszinierenden und wichtigen Hintergrund zu Vaihingers Leben und dem Vermächtnis von The Philosophy of 'As If' liefert.