Bewertung:

Das Buch ist eine detaillierte wissenschaftliche Erforschung des Geigenbaus und der Akustik und bietet tiefe Einblicke, die für Forscher und Akademiker wertvoll sind, obwohl es oft als zu komplex für den praktischen Gebrauch durch Geigenbauer und allgemeine Leser kritisiert wird.
Vorteile:⬤ Äußerst detailliert und wissenschaftlich fundiert
⬤ für Forscher empfohlen
⬤ wertvoll für diejenigen mit einem starken akademischen oder mathematischen Hintergrund
⬤ gut geschrieben und informativ.
⬤ Schwierig zu verstehen für diejenigen, die keinen ausgeprägten Hintergrund in Physik oder Mathematik haben
⬤ kann von begrenztem praktischen Nutzen für Geigenbauer sein
⬤ manche Leser finden es zu mathematisch und es fehlt an praktischen Anwendungen.
(basierend auf 7 Leserbewertungen)
The Physics of the Violin
Dieses Hauptwerk umfasst fast alle Erkenntnisse über die Akustik von Streichinstrumenten, von Helmholtz' theoretischen Ausarbeitungen aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu neueren elektroakustischen und holografischen Messungen.
Viele der hier vorgestellten Ergebnisse wurden vom Autor selbst (und von seinen Mitarbeitern und Studenten) im Laufe von 20 Jahren Forschung über die Physik von Instrumenten der Geigenfamilie entdeckt. Lothar Cremer ist eine der weltweit angesehensten Autoritäten auf dem Gebiet der Bauakustik und, nicht zufällig, ein begeisterter Hobby-Geiger und -Bratscher. Das 1981 in deutscher Sprache erschienene Buch erfüllt zunächst einmal die strengen technischen Anforderungen von Spezialisten für musikalische Akustik.
Es dient aber auch den Bedürfnissen und Interessen zweier breiterer Gruppen: Hersteller und Spieler von Saiteninstrumenten werden ausdrücklich angesprochen, da die Implikationen der mathematischen Formulierungen vollständig umrissen und erläutert werden; und Akustiker im Allgemeinen werden feststellen, dass das Werk eine lehrbuchmäßige Illustration der Anwendung grundlegender Prinzipien und moderner Techniken auf ein spezifisches Problem darstellt. Der erste - und längste - der drei Teile des Buches untersucht das Schwingungsverhalten von gestrichenen (und gezupften) Saiten.
Die natürlichen Nichtlinearitäten, die sich aus Überlegungen zur Saitentorsion und Biegesteifigkeit ergeben, werden geschickt behandelt und präzise modelliert. Der zweite Teil befasst sich mit dem Korpus des Instruments. Besonderes Augenmerk gilt dem Steg, der die Schwingungen der Saiten auf den Holzkorpus und seinen Lufthohlraum überträgt.
In diesem Fall erweist sich die lineare Modellierung größtenteils als brauchbar - eine Vereinfachung, die bei lautenähnlichen Instrumenten wie der Gitarre nicht möglich wäre. Die Abstrahlung des Klangs vom Korpus in den Raum des Zuhörers, der als eine Erweiterung des Instruments selbst behandelt wird, ist das Thema des letzten Teils des Buches.